Tauchen in Davidsgjá

Davidsgjá – Eistauchen am Vulkan in Island

Davidsgjá, die Schlucht von David ist einer meiner Lieblingstauchplätze in Island. Im Þingvallavatn See gelegen erstreckt sich die Spalte im See über mehrere hundert Meter und führt den Taucher auf einer Tiefe von 15-20m durch Islands größten natürlichen See. Wer also eine Alternative oder eine Erweiterung zum Tauchen in Silfra sucht ist hier bestens aufgehoben.

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Davidsgjá, Davids Spalte in Islands größtem See

Der Tauchplatz ist nur zehn Minuten von Silfra entfernt und führt einen genau in den See, in welchen das glasklare Wasser aus der Silfraspalte hinein fließt. Leider bleibt das Wasser nicht so glasklar, sondern wird je nach Wind und Wetter etwas trüber. Die Sichtweiten schwanken zwischen dutzenden von Metern bis hin zu weniger als Armlänge.

In der Spalte selbst ist die Sicht meist hervorragend, da das kalte Wasser hier am Boden klar ist und die Schwebeteilchen sich im warmen Wasser darüber sammeln. Wer also einmal an der Schlucht im See angekommen ist, kann abtauchen und die gute Sicht genießen. Wer vorher bereits in Silfra tauchte wird klare Ähnlichkeiten erkennen sowie gravierende Unterschiede: Die Felsen hier sind enger und kürzer aber sie sind in das gleiche, tiefe blau gefärbt welches man auch in Silfra findet.

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Hier in der Davidsgjá gelten außerdem die gleichen, sehr strengen Regeln für Taucher. Das bedeutet: Man darf hier nicht tiefer als 18m tauchen. An einigen Stellen ist das nicht hilfreich da die Felsspalte auf eine Tiefe von mehr als 20m hinunter reicht. Außerdem gibt es hier einige schöne swim throughs welche man hier durchschwimmen darf (Achtung: Bitte immer innerhalb deiner persönlichen Limits und innerhalb deiner Wohlfühlzone tauchen!). Ein Höhlensystem wie das im Nationalpark ist hier nicht zu finden, die Regeln verbieten aber sowieso darin zu tauchen.

Ein weiterer Unterschied ist die Wahrscheinlichkeit hier etwas lebendiges zu sehen (Algen ausgenommen). Während in Silfra nur wenige, klitzekleine Fische wohen sind in Davidsgjá viele groeße Fische zu Hause. Man findet hier unter anderem Forellen und Saiblinge die Längen von guten 50cm erreichen und oft in kleinen Gruppen auftreten. Wer entsprechen ruhig tauche kann bis auf einige cm an die Fische herankommen, im Normalfall schwimmen sie aber fort wenn man innerhalb weniger Meter von ihnen ausatmet.

Ich tauchte hier zum ersten Mal an einem kalten, verschneiten Wintertag im April 2015. Während der See an den meisten Stellen noch komplett zugefroren war, hatten wir Glück und entlang der Spalte lag genau passend für uns die Eiskante, sodass wir zwar sicher abtauchen aber gleichzeitig auch einen kleinen Ausflug unter das Eis wagen konnten.

Am Eingang zum Tauchplatz herrschen traumhafte Bedingungen: Das Wasser ist glasklar und viele grellgrüne Algen schweben umher und versperren einem die Sicht auf die Felswände. Auch hier kommt frisches und kaltes Gletscherwasser aus dem Gestein und fließt entlang der Felsen in den See.

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Wir tauchen auf einer Breite von etwa 20-30m und bis zu einer Tiefe von etwa 15m. Da in Davidsgjá nur selten getaucht wird, finden sich regelmäßig Artefakte zwischen den Steinbrocken an den Seiten und auf dem Boden. Wir finden alte isländische Münzen (Kronen, kein Silber, sorry…) und eine alte Farbtube die von einem der Maler stammen muss die hier vor Jahren Landschaftsportraits vom See mit dem dahinter liegenden Vulkan anfertigten.

Als wir das Ende der Felsspalte erreichen, sehen wir die hellblaue Eisdecke und machen ein paar Fotos von uns vor dieser beeindruckenden Kulisse. Die Wassertemperatur unter dem Eis fällt noch einmal  auf nun 1°C. Jeder ist sich bewusst, dass wir ab hier vorsichtig sein müssen und so tauchen wir nur einige wenige Meter unter die Eiskante. Gerade genug um etwas Luft in die Schuhe zu lassen und an der Decke zu laufen.

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

In der Ferne, im See können wir die Schatten von großen Forellen erkennen. Eine kleine Gruppe die in sicherer Entfernung unter dem Eis patroulliert. Die Tiere sind knapp einen halben Meter lang und wirken durch die Tauchermaske riesig. Sie bleiben allerdings auf Abstand und genießen ihre Ruhe. Davidsgjá wird von einer großen Anzahl von Fischen bewohnt, was diesen Ort besonders interessant für Angler macht und so finden sich am Boden regelmäßig Angerschnüre und Haken.

Ich frage mich, ob man auf dem Eis wohl stehen kann und ob die Eiskante stabil genug ist um sich daran hoch zu hieven. Dabei mache ich die Rechnung vorerst ohne die gut 20kg Equipment die ich auf dem Rücken trage und gebe das Vorhaben vorerst auf. Wenig später versuche ich es mit der Unterstützung meiner voll aufgeblasenen Tarrierweste und kräftigen Flossenschlägen aus einer Tiefe von 2-3m und – et voilà – ich rutsche auf dem Bauch hinaus auf die Eisdecke. Selbst hier wird mit beim Aufstehen bewusst, wie viel Blei ich bei mir habe und wie schwer der Stahlzylinder auf meinem Rücken ist. Aber ich stehe am Rande der Eisplatte und kann die Aussicht über den See und runter zu meinen Buddies genießen. Die Eisplatte hält selbst am Rand und wir entschließen uns einen giant stride zu filmen.

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Die Anderen sind natürlich ebenfalls hoch interessiert und Minuten später rutschen alle auf ihren Bäuchen in Richtung Vulkan, wie Seelöwen in der Antarktis. Drei sind besser als Einer und so wird schnell der Plan von einem triple giant stride formuliert und ich tauche ab um die Bande unter Wasser abzulichten. Während ich zügig herabsinke zähle ich bis Zehn: Eins, Zwei, Dr… und mit einem lauten Krach stürzen die Kollegen, begleitet von großen Eisbrocken in’s Wasser und ich kann gerade noch rechtzeitig den Auslöser betätigen. Ein großartiges Foto von einem großartigen Tauchgang!

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Tauchen in Davidsgjá

Wir schwimmen langsam zurück in Richtung Ausgang und finden noch eine einzelne Forelle auf dem Weg. Wir sind ihr nicht ganz geheuer und so zischt sie irgendwann unter uns hinweg und hinaus in den See während wir unseren Weg zum Ufer fortsetzen. Unterwegs finden wir noch weitere Artefakte und auch eine tolle Stelle mit einem einfachen swim through den wir uns nicht entgehen lassen.

Tauchen in Davidsgjá

Wer in Davidsgjá tauchen möchte sollte sich idealerweise an eines der lokalen Divecenter wenden. Alle kennen diesen Spot und können euch dorthin bringen, in den See und darin umher führen. Der Einstieg erfolgt an einer flachen Stelle mit vielen Steinen und ist daher sehr komfortabel. Von dort aus folgt ihr einem Seil bis zur Spalte und könnt diese dann nach Norden oder Süden betauchen, das Ufer ist immer östlich von euch.

Im Sommer gibt es hier nicht viel zu beachten. Bitte seid umsichtig im Bezug auf Anglerschnüre und -Haken. Wer die swim throughs machen möchte sollte eine Lampe mitnehmen und sicht mit seinem Buddy koordinieren.

Wer im Winter hier tauchen möchte sollte sich Tage aussuchen an welchen die Eisdecke nicht mehr über der Spalte ist. Eistauchen kann schnell gefährlich werden und wer keine entsprechende Ausbildung hat sollte davon Abstand nehmen! Bitte taucht immer innerhalb eurer Limits. Viel Spaß in Davidsgjá 🙂

Die besten Divespots in Island

Während meiner dreimonatigen Ausbildung zum Divemaster in Island habe ich verschiedene Tauchplätze gesehen und hier ist eine Liste meiner absoluten Lieblings-Divespots zum Tauchen in Island:

Tauchen wo das Leben entstand: Der hydrothermale Schlot Strýtan

 

Tauchen zwischen den tektonischen Platten in Silfra, Island

 

Taucher am Kleifarvatn in IslandTauchen im geothermalen See – Kleifarvatn in Island

 

Tauchen im Nordatlantik bei Garður in Island

Tauchen wo das Leben entstand: Der hydrothermale Schlot Strýtan

Wer taucht will Besonderes sehen. Seien es große Fische, bunte Korallen, glasklares Wasser oder verlorene Schiffswracks. Wer an Tauchen in Island denkt, dem kommen wahrscheinlich Eisberge in den Sinn und wer etwas Recherche betreibt stößt unweigerlich auf Silfra, eine Divesite die immer wieder ganz oben auf den Toplisten der weltweiten Tauchreviere auftaucht.

Wer dem Touristenpfad entkommt, kann im Norden Islands einen Ort finden der einmalig ist auf der Welt. Eine Divesite die ermöglicht, was man sonst nirgends auf diesem Planeten sehen kann. Ein Erlebnis, das einem den Atem stocken lässt, vollkommen egal wie oft der Tauchlehrer einem dies verboten hat…

Dort erheben sich hydrothermale Schlote vom Meeresboden in die Höhe, wo dann geothermal aufgeheiztes Wasser ausströmt. Der Tauchspot besteht aus zwei Kaminen, einem kleinen und einem großen. Der kleine Kamin – Arnarnesstrýtur – befindet sich etwas nördlicher und wird nach einer 4-5 minütigen Bootsfahrt erreicht. Der große Kamin – Strýtan – befindet sich etwas südlich der Tauchbasis und ist nach etwa 5-10 Minuten mit dem Boot erreicht.

Erlendur macht sich fertig zum Tauchen in Strytan

Los geht's: Tauchen in Strytan

Ein letzter Blick zum Boot in Strytan

Tauchen mit Stefania der Wolffish Dame

Arnarnesstrýtur ist unser erster Stop am heutigen Tag und führt uns etwas nördlich der Tauchbasis zu zwei kleinen Kaminen. An diesem Spot finden sich vielfältige Lebewesen der Unterwasserwelt wie Anemonen, Krabben, Quallen und natürlich auch jede Mensche Fische. Neben neugierigen Dorschen findet sich hier insbesondere Stefania, eine Steinbeißer- (Wolffish) Dame und ihre Mitbewohner. Die drei haben am Meeresboden eine WG für Hässliche gegründet, Steinbeißer haben ein Gesicht das nur eine Mutter lieben kann! Dafür sind sie alle sehr zutraulich und freuen sich jedes Mal wenn Erlendur am Seil der Boje entlang in Richtung Meeresboden sinkt. Dann hat er nämlich normalerweise eine Tasche voll Muscheln im Gepäck und Stefania und ihre Buddies essen gerne Muscheln. Heute haben wir keine dabei, alternativ gibt es also ein paar Streicheleinheiten unterm Kinn und am Bauch. Die drei verhalten sich wie Hunde und folgen uns auf Schritt und Tritt um den kleinen Hügel. Mehrmals während dem fast einstündigen Tauchgang werden Stefania & Co. überraschend auftauchen und uns anlächeln und jedes Mal ist es ein kleiner Schock 😉

Wolf Fish Stefania in Strytan

Wolf Fish Stefania in Strytan

Wolf Fish Stefania in Strytan

In Arnarnesstrýtur hat sich um die kleinen Kamine eine Vielzahl von Meeresbewohnern niedergelassen und man fühlt sich offensichtlich sehr wohl in der Nachbarschaft um die hydrothermalen Hügel. Erlendur schwimmt langsam umher und versucht mit seiner neuen Kamera Videos zu sammeln während ich mir die Gegend auf eigene Faust anschaue. Am Anfang ist das relativ langweilig, weil es nicht wirklich viel zu sehen gibt, wenn man nicht weiß wo man suchen muss. Ab und zu bemerkt Erlendur wie ich umher irre, zupft an meiner Flosse und zeigt mir einen weiteren spannenden Punkt an den Kaminen. An einigen Orten strömt heißes Wasser direkt in die Umgebung und man kann den Thermo- und Heliocline deutlich sehen. Das Wasser sieht so ölig aus wie man sich einen Tauchgang in einer überdimensionalen Wanne mit Silikonöl vorstellen würde. Hinter dem Vorhang aus eiskaltem Salz- und kochend heißem Süßwasser erkenne ich Erlendur nur schemenhaft und selbst als er seine Lampe direkt auf micht richtet – im Normalfall vergleichbar mit einem Scheinwerfer bei Nacht – sehe ich nur die Umrisse eines kleinen Lichtzirkels.

Heliocline in Strytan beim Tauchen

Heliocline in Strytan beim Tauchen

Nach etwa 45 Minuten treten wir langsam die Heimreise an. Immer entlang der Ankerschnur in Richtung Boot. Bis zum Stop bei 5m. Mir ist zwischenzeitlich ordentlich kalt geworden, der Tauchcomputer hatte sich irgendwann auf 1°C eingependelt und diese Zahl für den Rest des Tauchgangs nicht mehr losgelassen. Selbst hier an der Oberfläche zeigt das Gerät gerade mal 2 oder 3 Grad an und meine Vorfreude auf das Surface-Intervall wird immer größer. Erlendur hat einen heißen Pool am Tauchcenter und es gibt Stullen mit Käse, Schinken und eine Tafel Ritter Sport.

Während der knappen Stunde Auszeit im Divecenter zeigt Erlendur mir das kleine Museum im oberen Stockwerk. Wir müssen über provisorisch aufgereihte Matratzen klettern, da dieser Tage eine Delegation französischer Kunststudenten hier einquartiert ist. Hier gibt es alles zu sehen, was Erlendur während der letzten Jahre beim Betauchen der Kamine gelernt, gefunden und erschaffen hat. Eine imposante Sammlung von Wissen, Artefakten und Skurrilem gibt einem einen ungefähren Eindruck von der Passion mit welcher der Sohn Bogas diesen Ort erkundet und beschützt. Hier liegen alte Teller aus der weiten Umgebung und weiteres Geschirr. Alte Messer und Bootsutensilien. Es finden sich abgebrochene Ecken der Kamine sowie Fischskellete und Muscheln. Zu allem hat er etwas zu berichten und hinter jedem Artefakt steckt ein kleines Erlebnis und alle zusammen bilden das große Abenteuer des Erlendur Bogason von der Entdeckung und Erforschung Strýtan’s.

Tauchen an den heißen Kaminen von Strýtan

Das ist auch unser nächster Halt: Strýtan. Hier, am größeren der zwei Kamine soll mir das Ausmaß dieser Naturwunder erst wirklich bewusst werden. Der Kamin erhebt sich 55m hoch vom 70m unter der Oberfläche liegenden Meeresboden nach oben. Wir starten in der Mitte des kleinen Berges und schwimmen langsam nach oben während wir den Kamin Meter für Meter erkunden. Als wir starten zeigt mein Tauchcomputer eine Tiefe von 35m an und eine Temperatur von 1°C. Das ist kein Tauchgang für Weicheier und das ist auch kein Tauchgang für Draufgänger. In solchen Settings werden keine Helden geboren sondern Idioten entlarvt. Ich atme vorsichtig und prüfe meinen Tauchcomputer regelmäßig. Wenn sich ein Atemzug einmal länger hinauszögert und ich dann mit einem Mal kräftig am Atemregler ziehe, fliegen kleine Eiskristalle in meinen Mund und machen mir schlagartig klar wie dünn die Grenze zwischen einem guten Tauchgang und einem daramatischen Aufstieg hier ist. Freeflow heißt der Feind, der dich im Zweifelsfall sofort zum Auftauchen zwingt und in diesem Moment kann ich mir nichts schlimmeres vorstellen als diesen Tauchgang auch nur eine Sekunde früher beenden zu müssen als unbedingt notwendig.

Erlendur Bogason zeigt mir Strytan

Tauchen am Strytan

Tauchen am Strytan

Wir tauchen relativ zügig auf eine Tiefe von etwa 30-25m hinauf und beginnen langsam um den riesigen Felsen zu kreisen. Hier kann sich ein Taucher gerade noch gut hinter dem Stein verstecken, nur einige Meter tiefer könnte man einen Kleinbus unbemerkt abstellen. Strýtan ist riesig und groß und gemein. Er brodelt an allen Ecken und spuckt einem kochend heißes Wasser entgegen. An Heißwasserquellen wie diesen könnte der Ursprung für alles Leben auf diesem Planeten gelegen haben. Wissenschaftler der Universität Brekeley haben herausgefunden, dass die biochemischen Prozesse hier Leben ohne das Vorhandensein von Sonnenlicht, also ohne Photosynthese ermöglichen.

Wissenschaftler der Universität von Akureyri helfen dabei die Schlote von Strýtan zu erforschen und haben u.a. herausgefunden, dass das Wasser welches hier bei einer Temperatur von mehr als 72°C ausströmt weit über 1000 Jahre alt ist. Die Smektittürme entstanden vor über 10.000 Jahren während der letzten Eiszeit aus Magnesiumsilikaten und wuchsen seitdem Stück für Stück in Richtung Oberfläche. An ihren Rändern leben heute hunderte von Lebensformen, von Anemonen über Krebse und Fische bis hin zu Algen und Mikrobakterien. Dieser Ort ist ein Wenig wie das Galapagos Archipel der Unterwasserwelt, ein submariner Regenwald.

Tauchen am Strytan

Tauchen am Strytan

Als wir am oberen Ende des mächtigen Kegel ankommen stoppen wir kurz und prüfen unsere Instrumente. Die Luft reicht genau für den geplanten Tauchgang und wir sinken langsam wieder hinunter. Wir zirkeln um die Spitze und an allen Ecken strömt uns aus kleinen oder größeren Öffnungen heißes Wasser entgegen. Während der Rest meines Körpers im Trockenanzug gut geschützt und kuschelig warm ist, sind mir die Warmwasserquellen für meine unterkühlten Hände in den Neoprenhandschuhen mehr als willkommen. Mann muss dem Wasser etwas Zeit geben in die Handschuhe einzudringen und dabei sehr vorsichtig sein, aber dann ist die Wärmequelle mehr als angenehm.

Strytan melde bereits Besitzanspruch an

Erlendur Bogason auf dem Weg nach Unten: Strytan

Am mittleren Zubringer-Seil angekommen, starten wir unseren Aufstieg und stoppen zwei Mal. Immer schaue ich mich um, ob sich vielleicht Wale zu uns gesellt haben, doch heute war Stefania der große Star auf unseren Tauchgängen und eine Diva teilt ihren Ruhm nunmal nicht. Als wir auftauchen, unsere Ausrüstung an Bord des kleinen Bootes heben und das Seil an der Boje entfernen reißen die Wolken weiträumig auf und wir fahren durch den mit Sonnenlicht durchfluteten Fjord in Richtung des kleinen Hafen von Hjalteyri. Ich bin dankbar für den windlosen Tag, für die gute Sicht dort unten und die Sonne hier oben. Für die Möglichkeit diesen besonderen Ort gesehen zu haben und für die Aussicht darauf weitere solche Orte sehen zu dürfen.

Tauchen am Strytan

Erlendur Bogason ist der Entdecker der Kamine, Hauswart im Fjord… der Wächter der Türme. Durch seine kühle isländische Ausstrahlung ahnt man lange nicht, wie er empfindet. Die Begrüßung ist freundlich und zurückhaltend. Die Unterhaltung beginnt langsam und bleibt es lange Zeit. Während der gesamten Zeit vor dem ersten Tauchgang denke ich, ich habe hier einen typischen Einsiedler vor mir und hake eine lebendige Unterhaltung innerlich ab. Erst als wir nach dem ersten Tauchgang wieder im Boot sind und ich aufgeregt Frage, was das für ein Gefühl für ihn war diese Schlote zum ersten mal zu sehen und wie es war als er realisierte was er hier tatsächlich entdeckt hatte brechen alle Dämme. Er beginnt wie ein Wasserfall zu berichten und sein Englisch wird so zerbröckelt, dass ich gar nicht mehr hinhöre und nur noch das Funkeln in seinen Augen interpretiere. Dieser Mann ist ein Entdecker und er lebt für Momente wie diese.

Erlendur ganz in seinem Element: Tauchen in Island

Fakten zu Strýtan

  • Die Kegel entstanden vor gut 10.000 Jahren während der letzten großen Eiszeit
  • Der große Kegel hat eine Höhe von ca. 55m und fußt auf dem Meeresboden in einer Tiefe von etwa 70m
  • Das Wasser welches aus den Öffnungen austritt hat ca. 72°C und ist über 1100 Jahre alt
  • Strýtan ist die einzige hydrothermale Quelle dieser Art, die von Menschen ohne Maschinen betaucht werden kann, andere Quellen wurden nur in Tiefen von 2000 bis 6000m gefunden
  • Hydrothermale Schlote wie die in Strýtan könnten die Quelle allen Lebens auf dieser Erde sein, da sich an diesen Leben in Abwesenheit von Sonnenlicht entwickeln kann
  • Die Existenz der Kamine wurde schon vor vielen Jahren angenommen, eine Expedition im Fjord ergab aber keine Ergebnisse und so wurden sie von den offiziellen Karten wieder entfernt. Erlendur fand die Kamine wenige Jahre später nach einem Hinweis von einem lokalen Fischer
  • Manchmal nimmt Erlendur eine Thermoskanne mit hinunter um sie mit heißem Wasser aus den Kaminen zu befüllen und oben im Boot heiße Schokolade zu zaubern

Was kostet … in Reykjavík, wie teuer ist Island?

Was kostet eine Reise nach Island?

Update: Aktuelle Zahlen für 2017, so teuer ist Island

Das ist die meistgestellte Frage, die ich bekomme wenn ich von dort berichte. Es wird schnell offensichtlich, dass Island den Ruf hat ein teures Reiseland zu sein. Wie die meisten anderen Nordeuropäischen Länder ist auch Island nicht gerade günstig. Das liegt zum einen an der schwachen isländischen Krone und zum Anderen daran, dass fast alles in diesem Land teuer und aufwändig importiert werden muss.

Aber was genau kostet einen Island denn nun?

Ich möchte in diesem Beitrag einfach mal meine Reisekosten für meinen dreimonatigen Aufenthalt in Island von Februar bis Mai 2015 aufzählen um einen guten Überblick über meine Ausgaben zu geben.

Was kostet die Reise, der Flug nach Island?

Ich bin mit dem Flugzeug angereist. Für den Flug von Berlin nach Keflavik habe ich 184€ gezahlt. Der Flug an sich hat genau 100€ gekostet, ich habe aber ein Gepäckstück und Sportgepäck zugebucht, was mit 84€ zu Buche schlug. Dazu kommen ca. 4€ für das Berliner BVG Ticket und etwa 20€ für den Flybus vom Flughafen in die Innenstadt. Dann nochmal 20€ für das Taxi von dort zum Apartment (Man hätte sicher auch den Bus nehmen können).

Das ist eine Einweg-Anreise, den Rückflug buche ich erst wenn ich genau weiß, wann ich Island wieder verlasse. Ich habe mir die Preise schon angesehen und gehe vom gleichen Preis aus. Meine Flüge suche ich meist über Opodo weil ich den Service super finde und bisher immer günstig damit flog.

Fazit

Günstige Flüge nach Island bekommt man bei vielen Airlines, zum Beispiel WowAir, Icleand Air, Germanwings und Easyjet. Ab 150€ und abwärts pro Strecke würde ich von einem guten Preis sprechen.

  1. Flug: 184€ (hin) und 184€ (zurück)
  2. Transport: 44€
  3. Insgesamt: 412€

Was kostet eine Unterkunft in Island?

Wer in Island günstig übernachten möchte, ist bei AirBNB gut aufgehoben. Ich reise mittlerweile beinahe ausschließlich auf diesem Wege und kann nicht anders als es wärmstens zu empfehlen! Wenn ihr euch über obigen Link anmeldet bekommt ihr 23€ für eure erste Übernachtung geschenkt.

Auch wenn ich es aufgrund des Feedbacks von anderen Reisenden gerne schreiben würde, die Hotelpreise in Island sind relativ normal und durchaus mit denen in Deutschland vergleichbar. In der Hauptsaison werden die Preise markant nach oben geschraubt, aber das ist überall so.

Die wohl bekanntesten und verbreitetsten Hotels in Island sind die Edda Hotels. Es gibt ein gutes Dutzend davon und sie sind gut verteilt. Hier kostet ein Doppelzimmer ab 170€ pro Nacht. Für eine Person bleibt der Preis allerdings leider gleich, keine tolle Sache für Alleinreisende.

Andere Hotelketten nehmen ähnliche Preise und alle drehen die Preisschraube gerade zügig nach oben um auszureizen wann die Nachfrage runter geht. Das wird so weiter gehen, denn die Nachfrage steigt und steigt. Im Sommer könnte ich mir das Reisen hier nicht mehr leisten, wenn ich in Hotels übernachten müsste.

Alternativen sind Hostels, Guesthouses und Camping. Hostels und Guesthouses gehören oft direkt zu den Hotels und werden bewusst als Alternativen für Budgetreisende betrieben, aber nicht so aktiv beworben. Am besten einfach an der Hotelrezeption fragen, im Normfalfall wird man eine gute Empfehlung bekommen. In Island gibt es noch Wildcampen, man darf also überall sein Zelt aufschlagen. Wenn ihr das vorhabt, erkundigt euch bitte vorher wie das genau funktioniert bzw. welche Verhaltensregeln man beachten sollte und wie man die Umwelt dabei maximal in Ruhe lässt.

Was kosten Lebensmittel in Island?

Während meines Aufenthalt habe ich ehrlich gesagt fast komplett aus der Konserve gelebt, also Fertigsuppen, Mikrowellengerichte, Brot und Obst.

Update: Aktuelle Zahlen für 2017, Preise in Island

Essen gehen ist in Island unglaublich teuer, daher habe ich mich unter der Woche auf das Wesentliche beschränkt und beim Einkauf in unterschiedlichen Supermärkten durchschnittlich Folgendes ausgegeben:

  • Weintrauben: 500 ISK (848 ISK / kg)
  • Bananen: 390 ISK (570 ISK / kg)
  • Gurke: 160 ISK (570 ISK / kg)
  • Äpfel: 330 ISK (165 ISK / Stk)
  • Pflaumen: 400 ISK (800 ISK / kg)
  • ACE Saft: 390 ISK / 2L
  • 1L Milch: 130 ISK
  • Dosensuppe: 600 ISK
  • Knäckebrot: 180 ISK
  • Philadelphia: 470 ISK
  • Dose Bohnen: 150 ISK
  • Dose Erbsen: 260 ISK
  • Coca Cola: 100 ISK (0.33L Dose)
  • Aufschnitt (Salami): 420 ISK
  • Aufschnitt (Gfelügel): 310 ISK
  • Käse: 500 ISK
  • Joghurt: 140 ISK

Fazit

Lebensmittel sind in Island etwa 20-30% teurer als in Deutschland. Wenn man ein bisschen drauf achtet was und wo man einkauft, kann man weniger oder eben auch mehr ausgeben. Empfehlenswert sind normale Supermärkte wie Kronan und Bonus, wer in Supermärkten einkauft die 24 Stunden am Tag offen sind (Netto, 1011) wird entsprechend mehr ausgeben.

Was kosten Restaurants in Island?

Auswärts essen gehen ist in Island sehr teuer, die meisten einheimischen in der Mittelschicht gehen nur zu ganz besonderen Anlässen – etwa zum Hochzeitstag – in ein Restaurant. Sehr beliebt in Island sind Subway und eine hiesige Fastfoodkette mit mexikanischen Gerichten: Serrano. Ich musste mich immer mal wieder überreden, in den teuren Apfel zu beißen und ein Restaurant zu betreten. Dabei habe ich folgende Ausgaben generiert:

  • Hummersuppe mit Minkewalsteak – Sea Baron
    2500 ISK (Special)
  • Hummersuppe – Sea Baron
    1800 ISK
  • 1 Tasse Latte Machiato (0.2L) – Eymundsson
    530 ISK
  • 1 Stück Karottenkuchen – Café Laundromat
    1200 ISK
  • 1 Portion Sushi (ca. 25 Stk.) – Kronan
    1900 ISK
  • 1 Portion Eis (1/2/3 Kugeln) – Valdis
    450 ISK / 600 ISK / 750 ISK
  • 1 Hotdog
    380 ISK
  • Lachssteak auf Süßkartoffeln mit Gemüse – Café Laundromat
    2900 ISK
  • Kleines Frühstück (2 Eier, Bacon, Toast) – Café Laundromat
    2000 ISK
  • Pommes Frittes klein/groß – Café Laundromat
    900 ISK / 1400 ISK
  • Club Sandwich – Café Laundromat
    2600 ISK
  • Hamburger – Café Laundromat
    2700 ISK
  • Wein (weiß & rot, Glas / Flasche) – Café Laundromat
    1000 ISK / 4400 ISK
  • Orangensaft – Café Laundromat
    390 ISK
  • Bier (versch. lokale Sorten) – Café Laundromat
    950 – 1200 ISK

Fazit

Auswärtst essen ist in Island reinster Luxus und wird deine Geldbörse mächtig belasten. Wer mit kleinem Budget reist, sollte sich darauf von Anfang an einstellen und Restaurants einfach meiden. Wem gutes Essen wichtig ist, muss dafür ein paar Euro mehr einrechnen. Island ist sicher kein Land für Foodies.

Was kosten Transportmittel in Island?

Es gibt in Reykjavík primär drei Arten von öffentlichen Verkehrsmitteln:

Der Flybus bringt einen vom Flughafen in die Innenstadt, für 1950ISK / 3500ISK. Wenn man die Plus-Variante für 2500ISK / 4500ISK wählt, bringt der Bus einen zu ausgewählten Hotels oder bis zum inländischen Flughafen. Der erste Preis bezieht sich hier auf eine einfache Fahrt, der Zweite auf ein Ticket in welchem der Preis für die Rückfahrt zum Flughafen bereits enthalten ist.

Der normale Bus bringt einen in Reykjavík herum und kostet 400 ISK pro einfacher Fahrt und man sollte das Geld bar und passend dabei haben. Hier gibt es alle Informationen zum Bus in Reykjavík. Empfehlenswert ist, sich einfach vor der Anreise die Straeto App zu installieren, mit der man die Tickets einfach online mit der Kreditkarte kaufen kann. Die App ist standardmäßig in isländisch, kann aber auf Englisch umgestellt werden.

Es gibt nicht viele, aber Taxis sind in Island ebenfalls vertreten. Die Preise haben es allerdings in sich: Für eine Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt wird man mindestens 14.000 ISK bezahlen. Selbst wenn man sich diese Fahrt mit drei weiteren Passagieren teilt ist das immer noch teurer als der Flybus, das Taxi fährt einen aber immerhin bis an die Türschwelle. Eine Fahrt vom BSI Terminal zu meiner Unterkunft kostete mich etwa 3000 ISK, ein stolzer Preis für nichtmal 2km Strecke.

Ich kann nicht verstehen warum Uber noch nicht in Island aktiv ist… 🙁

Wer einen Mietwagen in Island buchen möchte, sollte sich über die Besonderheiten im Bezug auf das Auto fahren in Island informieren. Es gibt einige günstige lokale Anbieter, wie Cheap Jeeps und Sadcars. Ich selbst habe mir meistens bei Billiger Mietwagen eine Übersicht geholt und dann bei einem der Bekannteren Anbieter gemietet, weil ich mich damit sicherer Fühle und dann außerdem Meilen sammeln kann.

Fazit

Wer mit kleinem Budget reist freut sich über die relative gute Versorgung mit Bussen und über die recht normalen Preise. Wer individuell reisen möchte, muss richtig tief in die Tasche greifen, ein Mietwagen hier ist schnell 50% teurer als sonstwo in Europa und im Vergleich zu günstigen Ländern wie den USA, Mexiko und Südafrika ist der Preis Schnell ein Vierfaches. Für mich ist es trotzdem die erste Wahl beim Fortbewegungsmittel um den Touristenströmen wenigstens einigermaßen aus dem Weg gehen zu können.

Wie hoch sind Eintrittsgelder in Island?

Neben den vielen tollen Tagestouren kann man auch in Reykjavík selbst tolle Sachen erleben. So kann man sich bei Whales of Iceland zum Beispiel lebensgroße Modelle von Walen anschauen und alles Wissenswerte über die Dickhäuter erfahren. Whales of Iceland kostet 2900 ISK (20€)

Das am Hafen gelegene Saga Museum zeigt einem die Geschichte der isländischen Sagas und wie sich das Land von den ersten Siedlern bis heute entwickelt hat. Das Saga Museum kostet 2000 ISK (14€).

Wer die Nordlichter nicht selber bestaunen konnte, kann sich im Northern lights center einen guten Eindruck davon machen wie das Naturschauspiel in der Realität wohl aussehen könnte. Das Northern Lights Center kostet dich 1600 ISK (11€).

Das Penismuseum in Island kann man sich anschauen, muss man aber definitiv nicht. Ich spreche nicht aus eigener Erfahrung, aber alle Leute mit denen ich gesprochen habe raten von einem Besuch ab. Ich habe mir die 1200 ISK (8€) also gespart.

Fazit

Ich finde die Eintrittsgelder hier nur mäßig übertrieben 😉 Im Vergleich mit Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern sind sie vielleicht 20-30% höher und das finde ich OK.

Wie teuer sind Dienstleistungen in Island?

Friseur

Ein Haarschnitt ist hier im Vergleich zum Rest Europas unverschämt teuer. Ein Herrenschnitt kostet schnell 4500-5500 ISK (30-35€) und aufwärts und ist damit im Vergleich mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Die meisten Isländer gehen tatsächlich nicht zum Friseur und schneiden sich selbst bzw. im Bekanntenkreis untereinander die Haare.

KFZ Reparatur

Ich hatte hier nur einen Mietwagen, die Locals haben mir aber berichtet dass Reperaturen an PKW hier ebenfalls extrem teuer seien und man deshalb so viele kaputte Autos auf den Straßen sieht. Wer hier eine Delle im Kotflügel hat, hat das Geld von der Versicherung mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit lieber in Spirituosen investiert. Will sagen: Überlegt euch sehr genau welche Zusatzversicherungen ihr bei einem Mietwagen weglassen wollt, vielleicht spart ihr da am falschen Ende!

Fazit – Was kosteten mich 3 Monate Island Reise

Update: Zahlen für 2017, Kosten in Island

Hinflug: 180€

Rückflug: 180€

Mietwagen (3 Tage, 2 Tankfüllungen): 220€

Mietwagen (10 Tage, 4-5 Tankfüllungen): 1000€

Lebensmittel: Im Schnitt ca. 50€ pro Woche

Restaurants / Cafés: Im Schnitt ca. 25€ pro Woche

Miete: Mein Zimmer kostete etwa 500€ im Monat

Eintrittsgelder: 0€ (Ich habe keine Sehenswürdigkeiten in Island besucht die Geld kosten)

Alles in Allem habe ich also ca. 3900€ ausgegeben, also ca. 1300€ jeden Monat. Das finde ich nicht besonders viel für ein so teures Reiseland und für das was ich in der Zeit erlebt habe. Realistisch muss man allerdings sagen, dass ein Urlaub in Relation teurer sein wird und dass ich schon ziemlich sparsam im Alltag war. Bei meiner Islandreise entlang der Ringstraße habe ich vor zwei Jahren etwa 1200€ in 7 Tagen ausgegeben. Man kann eine Woche Island aber sicher auch wesentlich günstiger gestalten, das kommt ganz auf den eigenen Reisestandard an!

Baden im geothermalen Fluss: Reykjadalur

Was macht man in Island an einem leicht wolkenverhangenen und eiskalten Sonntag um sich die Zeit zu vertreiben? Klar, man klettert in die Berge und legt sich in einen See der hauptsächlich von Gletscherwasser gespeist wird…

…zumindest wenn zusätzlich kochend heißes Wasser aus geothermalen Quellen dazukommt und den Fluss auf angenehme 39°C aufwärmt!

Wandern im Reykjadalur

Das Tal Reykjadalur ist nur ca. eine Autostunde von der Hauptstadt Reykjavík entfernt und  liegt etwa 40km südöstlich an der Ringstraße in Island. Der kleine Ort Hveragerði bietet den ersten Anlaufpunkt. Vom Ortskern fährt man ca. 2km nach Norden bis man auf eine Schotterstraße kommt, an deren Ende sich das Dalakaffi befindet. Hier kann man vor und insbesondere nach der Wanderung einen Kaffee und ein Stück Kuchen zu sich nehmen.

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Hier beginnt dann der Teil des Tages, an dem das Auto still steht und auf einen wartet. Der Wanderweg ist knapp 4km lang und es geht teilweise ziemlich stramm aufwärts, ich würde schätzen dass man gute 200 Höhenmeter hinter sich bringt. Die Wanderung dauerte für uns etwas über eine Stunde, vom Café bis zum oberen Ende des Weges. Wir hatten allerdings sehr starken Wind (>20m/s) und es war kalt (-5°C), sodass ich annehme die Wanderung dauert bei besseren Wetterverhältnissen eher 45-60 Minuten.

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Auf dem Weg kommt man an verschiedenen großen Hotpots vorbei, in welchen kochendes Wasser vor sich hin blubbert und den für Island typischen, beißenden Schwefelgeruch abgeben. Hier sollte man übrigens lieber noch nicht in’s Wasser springen, das Wasser hier ist kochend heiß und stark ätzend. Insbesondere die grauen Schlammtöpfe haben es in sich: Was dem Wasser die graue Farbe gibt ist darin aufgelöster Fels.

Von den großen Tourismusunternehmen wird das Tal derzeit eher nicht angefahren, was sich aber in der kommenden Saison 2015 ändern dürfte. Dann könnt ihr sicher auch ohne Mietwagen dorthin kommen.

Der geothermale heiße Fluss in Reykjadalur: Reykjadalsá

Nach etwa 2,5km erreicht man die höchste Stelle der Wanderung, es geht zwar noch einige Male hoch und runter, aber der gröbste Aufstieg ist geschafft. Hier zeigt sich auch zum ersten Mal die atemberaubende Aussicht in Richtung Süden, wo man die Küste und das Meer sehen kann. Kleine und große Wasserfälle tummeln sich in den Felswänden und geben sich gegenseitig zusätzlichen Antrieb.

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Nach etwa 3km erreicht man die ersten türkisblauen Hotpots und immer mehr Rauch und Wasserdampf sammeln sich in der Luft. An allen Ecken brodelt es und überall hört man kochendes Wasser blubbern. Als ich das erste Mal hier bin, werden auf dieser Höhe die ersten Holzbauten für zukünftige Touristenmassen aufgebaut und die Trampelpfade durch Metallnetze und zusätzliche Steine verstärkt.

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Wer will, kann hier anfangen sich einen schönen Ort zu suchen. Im Flussbett gibt es etwa 10-20 angestaute natürliche Pools in denen man sich mit 2-3 Personen zusammensetzen und das warme Wasser genießen kann. Hierbei sollte man etwas vorsichtig sein, denn das heiße Wasser kommt teils aus mehreren Richtungen und hat vor dem Einlauf in den Fluss nicht selten 80-90°C. Erst wenn es sich mit dem eiskalten Wasser im Bach mischt erreicht man die eher angenehmen ca. 40°C. Das passiert aber an manchen Ecken unregelmäßig wodurch man ab und zu sehr heiße Erfahrungen macht. Außerdem kommt ab und zu auch heißes Gas aus dem Boden, man sollte also jederzeit bereit sein den Hintern kurz anzuheben.

Fazit

Das Tal Reykjadalur ist ein idealer Tagesausflug mit dem Auto in Island und kann mit einer Fahrt entlang der Südküste (38, 427) verbunden werden. Wer Lust hat kann im Anschluss auch der Ringstraße nach Osten folgen und sich die Wasserfälle dort ansehen. Für Reykjadalur würde ich jedenfalls etwa 4 Stunden einplanen. Für die Wanderung empfiehlt es sich gute Wanderschuhe mitzunehmen, sowie etwas zum trinken und vielleicht einen kleinen Snack. Badesachen nicht vergessen, viel Spaß!