Schottland roadtrip – Aberdeen, Loch Ness und die Isle of Skye

Mit dem Auto durch Schottland – das habe ich zum ersten Mal Ende 2011 in Angriff genommen. Im Oktober bin ich von Berlin aufgebrochen und hatte außer Flug und Mietwagen nichts geplant oder reserviert. Früher in jenem Jahr war ich den West Highland Way mit dem Mountainbike gefahren und außer diesen Erfahrungen war Schottland komplett neu für mich.

Scotland skies

Scotland skies

Am Sonntag den 02.10.2011 startete ich meinen Schottland Roadtrip in Edinburgh und fuhr noch am gleichen Abend los nach Norden. Weil mein Flieger am späten Abend landete, verbrachte ich die erste Nacht einfach im Auto. Ganz praktisch war hier, dass ich einen größeren Wagen bekommen hatte als gebucht war und so gab es viel Platz auf der Rückbank. Danach verbrachte ich zwei Tage in einem B&B am Loch Ness und erkundete dabei die nähere Umgebung sowieso die Isle of Skye.

Aberdeen

Nach einer eher semi-gemütlichen Nacht im Auto steuere ich also entlang der Ostküste Richtung Norden und komme in Aberdeen an. Weil es gerade in Strömen regnet, kann mich die kleine Hafenstadt nicht zu mehr als einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt verführen. Aberdeen hat den gewohnt rauen britischen Charme und man hat das Gefühl von geschichtsträchtigen Gebäuden und Plätzen erdrückt zu werden.

Robert the Bruce

Robert the Bruce

Vorbei am Marischal College, einem beeindruckenden Bauwerk aus Granit, schlendere ich entlang der Statue von Robert the Bruce zu den Merchant quarters.

Merchant quarters

Merchant quarters

Hier wird einem schnell bewusst, welche Geschichte diese Stadt hinter sich hat, vom Mittelalter über die schottischen Unabhängigkeitskriege bis hin zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

Beer for punks

Beer for punks

Fraserburgh und Cullen

Entlang der Küste, über die A90, führt meine Route mich nun in Richtung Cullen, zuerst jedoch stoppe ich kurz in Fraserburgh. Eine kleines Städtchen im Norden des Landes. Hier gibt es nicht viel, außer der rauen Felsküste ein paar Pubs und dem Museum of scottish lighthouses. Wegen der Befürchtung, dass es so langweilig ist wie es klingt entschließe ich mich nur an der Küste entlang zu schlendern und die Aussicht zu genießen. Es ist ruhig hier und außer einer grün gestrichenen Bank und einem kleinen Turm gibt es nichts. Am Turm befindet sich ein großer, roter Farbklecks und dazu gibt es auch eine Geschichte: Im Keller war einmal ein Dudelsackspieler eingesperrt, in den sich die Tochter des Leuchtturmbesitzers verliebt hatte. Als die Flut kam, ertrank der Geliebte und die Tochter stürzte sich aus dem Leuchtturm auf die Klippen. Jedes Jahr, wenn der Turm gestrichen wird, werfen die Maler einen Eimer roter Farbe an die Klippen und des Nachts kann man den Verflossenen noch heute spielen hören.

Scottish lighthouse museum

Scottish lighthouse museum

In Cullen halte ich für ein Eis und für einen kurzen Spaziergang durch den Ortskern. Hier gibt es ein paar kleine Geschäfte, mehrere Pubs und einen Souvenierladen. Am Ortsausgang sieht man den Strand an dem einige hart gesottene mit Surfbrettern im Wasser liegen und auf die eiskalten Wellen warten, die ab und zu heranrauschen.

Path

Path

Inverness

Es geht weiter nach Norden, vorbei an Stränden die aufgrund des stürmisch-regnerischen Wetters nicht zum Baden einladen, aber auf ihre Weise doch anziehend sind. Mein roadtrip nennt sich mittlerweile Coastal trail  und lässt sich den Schildern entlang schön abfahren.

Ich fahre nur kurz durch Inverness in Richtung Dingwall, entscheide mich aber schnell um und steuere zurück Richtung Süden. Ein großer Vorteil beim Auto fahren in Schottland: Man ist flexibel! Es ist schon etwas später, also beschließe ich mir nun ein B&B zu suchen wo ich die Nacht mit Vorfreude auf ein erstes schottisches Frühstück der Tour verbringen kann.

Drumnadrochit am Loch Ness

Entlang des Loch Ness fahre ich also die A82 nach Süden und halte bei einigen B&Bs die durch die Schilder an den Straßen gut erkennbar sind. Jedoch sind in keinem Zimmer frei und viele sind sogar komplett verlassen. Als es anfängt dunkel zu werden, wird die Suche langsam unangenehm und ich freue mich sehr als ich bei Victoria aufschlage, die mit ihrem Mann ein organic B&B in Drumnadrochit betreibt. Sie haben mehrere cottages und renovieren diese zur Zeit in Handarbeit. Victoria bereitet mich darauf vor, dass es am nächsten Tag kein full scottish breakfast gäbe, sie ernähren sich völlig vegan hier. Ich nehme das als Scherz auf und gehe schlafen.

Victoria cooking

Victoria cooking

Am nächsten Morgen wird mir schnell bewusst, dass ich weder geträumt hatte noch einem Witz aufgesessen war: Victoria steht im kompletten Chefkoch-Outfit mit einem Teller in der Hand vor mir. Haferschleim und Obst. Kein Bacon. Danach gibt es noch eine Portion Süßkartoffeln mit Käse. Das Essen ist fantastisch und ich bin pappsatt, aber… BACON!!! 🙁

Breakfast

Breakfast

Eilean Donan castle

Nach dem Frühstück spreche ich mit Victoria über meine Pläne für die nächsten Tage und werfe sie kurze Zeit später über den Haufen. Statt nach Norden zu fahren um Ullapool, Wick und Thurso zu erkunden, entschließe ich mich nach Westen auf die Isle of Skye zu fahren.

Eilean Donan castle

Eilean Donan castle

Auf dem Weg dorthin, entlang der A87 komme ich an einem berühmten schottischen Schloss vorbei: Eilen Donan Castle. Dieses Schloss blickt auf eine über eineinhalb Jahrtausende alte Geschichte zurück und ist eines der meistfotografierten Bauwerke der Insel. Das Schloss selbst entstand vor etwa 800 Jahren, wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut und besteht in seiner jetzigen Form seit ca. 1930. Seitdem wurde sie bei vielen Filmen als Kulisse genutzt, zum Beispiel bei Braveheartm Highlander und mehreren James Bond Filmen.

Isle of Skye und Portree

Nach dem kurzen Zwischenstopp an der Burg der Highlander geht es weiter nach Westen. Bei Kyle geht es über die beeindruckende Skye Bridge rüber nach Kyleakin. Die etwa 500m lange Brücke verbindet die inneren Hebriden mit dem schottischen Festland und kann mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß überquert werden. Auf der gesamten Länge der Brücke kann man nirgends anhalten. Wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält kann man dennoch schöne Fotos machen.

Auf der Isle of Skye

Auf der Isle of Skye

Immer nah an der Küste entlang führt einen die A87 durch felsige Schluchten an kleinen Flüssen und Wasserfällen vorbei Richtung Norden. Hier fängt die Isle of Skye gerade erst an und das merkt man auch. Als in in Portree ankomme, weiß ich bereits dass ich hier nur zur Erkundung bin und dass ich wiederkommen werde. Dafür das nur knapp 3000 Menschen hier leben, wirkt das kleine Hafenörtchen riesig. Es gibt einen großen Supermarkt, mehrere B&Bs und Hotels sowie eine Schule. Ich schaue mich kurz um, betrachte die Schiffe die malerisch im Hafen liegen und trete die Heimreise an.

Portree harbour

Portree harbour

Victoria hatte mir einen Tipp gegeben, den es noch anzusteuern galt… den ersten schönsten Ort auf der ganzen weiten Welt!

Schottland landscape

Mallaig – Mit dem Hogwarts Express durch Schottland

Manchmal sind Routen magisch. Besonders, wenn sie zu verzauberten Orten führen. Mallaig in Schottland ist genau so ein Ort. Das kleine, unaufgeregte Küstenörtchen beherbergt nur eine Handvoll Einwohner und diese leben hauptsächlich vom Fischfang. Und Whisky. Der Weg dorthin kann mit einem magischen Zug zurückgelegt werden…

Glenfinnan Viadukt

Glenfinnan Viadukt

Meine Reise beginnt in Fort William, dem Ende meiner Fahrradtour entlang West highland way mit dem Mountainbike. Die kleine Stadt liegt direkt am Meer neben dem Berg Ben Nevis und ist das offizielle Ende des Wanderweges sowie der Anfang des Great Glen Way und der Road to the Isles. Nach den Strapazen des Vortages kaufe ich mir dort also  jeweils eine Ladung Chips und Schokolade und setze mich in den Zug…

Kettle crisps & Kinder chocolate

Kettle crisps & Kinder chocolate

Der magische Hogwarts Express bleibt mir leider verwehrt, ich habe das Gleis Neundreiviertel einfach nicht gefunden. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich außerhalb der Saison dort bin. Im Zug sitzen mehrere andere Menschen und als wir losfahren und die Landschaften schöner werden, packen viele ihre Kameras aus. Anfangs wird nur vom Sitz aus fotografiert, stilvoll übt man sich in Zurückhaltung. Als wir die ersten malerischen Wälder und das Glenfinnan Viadukt erreichen, springen diese erwachsenen Menschen wie Schulkinder über die Sitzbänke, wild von Seite zu Seite, um die besten Fotos zu schießen. Ich natürlich nicht! 😉

Atlantischer Ozean

Atlantischer Ozean

Als wir den Atlantik erreichen scheinen alle Speicherkarten voll zu sein. Alles sitzen ruhig an ihren Plätzen und genießen die magische Aussicht. Kleine Inseln erscheinen hinter den dichten Bäumen im hellblauen Wasser. Dicke Wolken lassen sich von der Sonne wärmen während ein kaum merklicher, leichter Wind sie in Zeitlupe vor sich hertreibt. In der Kabine ist es still, leise und langsam rollen wir an der felsigen Küsten entlang in den alten Bahnhof ein.

Atlantischer Ozean

Atlantischer Ozean

Der Empfang ist harsch, kalt und rau. Der Bahnhof ist funktionell und liebenswert karg. Der Meereswind ist kräftig, die Luft salzig und die Menschen ruhig. Schräg gegenüber dem Bahnhof liegt der Hafen in dem kleine und mittlere Schiffe anlegen. Wieder schräg gegenüber gibt es ein kleines Café mit einem Wintergarten und Heizpilzen. Obwohl Frühling ist. Für wenige Pfund kann man eine Tour mit einem Schiff buchen.

Boat in Mallaig Hafen

Boat in Mallaig Hafen

Die „Western Isles“ bringt einen zur Isles of Rum, nach Canna und dann an der Küste der Isle of Skye entlang zurück in den Hafen. Man kann auf Rum aussteigen um sich das Kinloch castle anzusehen, muss dann aber ein späteres Schiff zurück nehmen. In meinen Zeitplan passt das nicht, hierfür sollte man sich besser eine Übernachtung in Mallaig gönnen. Auf der Rückfahrt entlang der Klippen kann man die hiesige Fauna betrachten. Mit etwas Glück wird man Greifvögel wie den Fischadler beobachten oder verwilderte Ziegen und Schafe. Auch wenn die Westküste Schottlands zu den Lebensräumen vieler Delfin– und Walarten zählt, sind diese hier eher selten zu sehen.

Atlantischer Ozean vom Boot

Atlantischer Ozean vom Boot

Das Wasser ist hier kalt. Immer. Der Wind ist stark aber angenehm, die Luft ist klar und salzig. Bei jedem Stop des Schiffs werden, neben ein paar netten Worten, Kistenweise Proviant und Pakete ausgetauscht. Hier oben ist alles etwas einfacher, weniger kompliziert… netter. So langsam und ruhig wie der Zug einen in den Ort führt so schroff und rau trägt einen das Schiff zurück in den Hafen. Beides fühlt sich gut an, wie nach Hause kommen.

Sonnenstrahlen

Sonnenstrahlen

Bei der Rückfahrt von Mallaig nach Fort William steht die Sonne hinter den Wolken und kann sich nur stellenweise durchsetzen. Das ist OK.

Auch wenn diese Reise schon wieder drei Jahre her ist, als ich diesen Artikel neu verfasse, ist die Retrospektive für mich eine wichtige Erinnerung daran, warum ich reise. Aber das wird vielleicht eines Tages einen ganz anderen Artikel füllen…

Conic hill

West highland way mit dem Mountainbike – Teil 1

Vor knapp drei Jahren, im Mai 2011 bin ich den West Highland Way in Schottland mit dem Fahrrad gefahren. Das habe ich damals in einem temporären Blog festgehalten und dieser Beitrag stellt eine Zusammenfassung dessen dar. Viel Spaß!

* Packliste *
Wenn ihr wissen wollt, was ihr für so eine Tour mitnehmen solltet, schaut euch meine Packliste für Mountainbike Touren an!

Sonntag – 1. Mai 2011

Aufbruch & Bike checkin

Pünktlich um 8 bin ich zum Flughafen aufgebrochen. Vor Ort ging’s mit dem Schuttlebus zum Terminal wo ich das Rad einchecken musste. Das passiert ganz normal am Schalter, man bekommt einen Aufkleber und bringt das Rad dann um die Ecke zum Sperrgepäck. Ganz easy, dauert 2min am Schalter.

Flug geht gleich los, schreibe wieder sobald ich in Schottland Internet habe…

Edinburgh

Gerade in Edinburgh angekommen, Busse nehmen keine Fahrräder mit. Na schönen Dank auch. Gönne mir also ein Taxi zum Bahnhof und der nette Taxifahrer erzählt auf dem Weg von der Stadt, den Highlands, den Deutschen und den Engländern. Auch nicht schlecht, so eine kleine persönliche Stadtführung.

Kurz darauf sitze ich im Zug Richtung Milngavie, auf geht’s…

Update
Am besten man lässt sich zum Haymarket fahren, nicht zu Waverly (Der Hauptbahnhof), das spart einem ein paar €. Von Edinburgh nach Milngavie kommt man über Hyndland (Zug), also ohne Umweg über Glasgow. Am Ende der Tour kommt man von Fort William mit dem Zug über Glasgow nach Edinburgh, das ist eine durchgängige Zuglinie, kostet aber 36 GBP.

Drymen / Croftamie

Die erste Etappe war eine Kurze. Ich bin erstmal in Ruhe die ersten 20km nach Drymen gefahren. Der Weg war gut, wenige steinige Ecken, maximal S2 würde ich sagen. Nervig waren die ganzen Schaftore, die manchmal alle 500m im Weg stehen. Höhenmeter waren bisher kaum, die werden wohl erst nördlich von Loch Lomond kommen. Die Koordinaten schnell in’s Garmin Edge tippen… Dahin breche ich morgen auf.

Für heute habe ich mich im Oakbank B&B in Croftamie einquartiert. Sehr schönes Zimmer, nette Gastgeberin die “Arwen” heisst, ein “Puppy” der mir schon bis zur Hüfte reicht und morgen ein gutes schottisches Frühstück. Kostet 30GBP und ist jeden penny wert.

Oakbank B&B

Oakbank B&B

Abendessen gab es im Wayfarers, eine kleine Pub/Restaurant Mischung. Recht teuer, aber das scheint mir hier normal zu sein. Lecker war’s auf jeden Fall…

Morgen geht es weiter nach Norden, am Loch Lomond entlang…

Croftamie sheep

Croftamie sheep

Montag – 2. Mai 2011

Off to Loch Lomond

Nach einer guten Mütze voll Schlaf und einem ausgezeichneten schottischen Frühstück wird die Reise nun fortgesetzt. Erstmal runter nach Drymen und von dort aus am Ufer des Loch Lomond entlang.

Loch Lomond Mountainbike

Loch Lomond Mountainbike

Arwen erzählte der Weg verläuft größtenteils durch Wald, erst am Ende gibt es wieder weite Ausblicke. Es soll aber einige Tiere zu beobachten geben, viele Raubvögel, Wild und seit einiger Zeit treiben sich auch große Raubkatzen hier herum. Früher hatten viele Landwirte wohl kleine Zoom mit diesen Katzen und haben sie einfach in die Natur entlassen, als gesetzliche Auflagen für die Haltung erlassen wurden.

Conic hill and Loch Lomond

Conic hill and Loch Lomond

Conic hill downhill

Conic hill downhill

Außerdem Schafe 😉

Drymen, Rowardennan, Inversnaid Bunkhouse

Ich glaube noch nie habe ich bei einer Radtour so viel geflucht wie heute. Nach Rowardennan wird der West Highland Way für Radfahrer echt zur Qual. Der Weg durch einen kleinen Wald führt hügelig an den Ufern des Loch Lomond entlang und so kommen nicht nur einige Höhenmeter zusammen, diese sind auch noch größtenteils zu Fuß zu erledigen weil der Weg einfach total verblockt ist. Alle 50m muss man absteigen und tragen. Ein Wanderer am Hotel sagte mir der kommende Abschnitt wäre noch wesentlich schlimmer und für Radfahrer absolut lebensgefährlich, weil man schon zu Fuß oft mit den Händen Gleichgewicht und Halt herbeiführen müsse. Trägt man dann ein Rad ist es schnell vorbei und deshalb werde ich morgen mal nach einer alternativen Route schauen.

Der Weg war zwar mehr als schlecht zu fahren, aber echt schön. Ich glaube als Wanderer hat man mehr davon, auch wenn die meisten Gehstockschwinger mir ebenfalls einen sehr gefrusteten Eindruck machten. In diesem Abschnitt versteckte sich Rob Roy während seiner aktiven Zeit, im nächsten liegt dann sein Gefängnis.

Rein fahrtechnisch war der Track heute schon äußerst Anspruchsvoll, viele sehr steile Passagen mit verblockten Ecken und verwurzelten Anstiegen. Würde ich mit S3 klassifizieren, wo fahrbar. Die Strecke den Hill hinauf war bis auf die letzten 300m absolut gut fahrbar, dann war tragen angesagt. Den Berg runter war anspruchsvoll, aber für geübte Downhiller sicherlich ein Traum. Am Loch entlang auch alles super. Schlimm ist wie gesagt nur der Forest Park zwischen Rowardennan und Inversnaid.

Shores of Loch Lomond

Shores of Loch Lomond

Nachdem die Leute in Rowardennan unfreundlich und das Hotel mir zu teuer war bin ich nun echt froh im Bunkhouse bei Dave zu sein. Als erstes will er deinen Namen haben, nicht wegen der Rechnung sondern damit er dich persönlich ansprechen kann. Die ehemalige Kirche liegt an einem kleinen Hügel etwa eine Meile oberhalb des hiesigen Hotel, hat Betten, einen Pub, free Wifi und damit alles was man braucht 😉

Heute werde ich gut schlafen, da bin ich mir sicher!

Dienstag – 3. Mai 2011

Mist…

Flat tire

Flat tire

Ersatzschlauch 1 von… 1. Dann muss ich wohl heute endlich mal irgendwo einen Laden finden. Diese scheinen hier sehr rah gesäht…

Erstmal frühstücken, vielleicht hat Dave eine Idee.

Tarbet

Die Nacht war erholsam, auch wenn das Bett im Bunkhouse eher was für kleine Leute ist. Das Frühstück war OK, es gab Toast, Müsli und Gebäck. Dazu Kaffee oder Tee und Orangensaft.

Bis zur Abfahrt der Fähre habe ich mit Dave geplaudert und die Katze gekrault. Außerdem gab es da noch einen Reifen zu wechseln. Im Schlauch ist nur ein kleines Loch, ich hoffe also in Crianlarich zumindest Flickzeug zu bekommen, das würde mir erstmal reichen.

Ferry from Inversnaid to Tarbet

Ferry from Inversnaid to Tarbet

Dorthin führt meine Reise nun also, per West Highland Route, mit dem Zug. Der fährt nur 3 mal am Tag, ich habe aber Glück und bin pünktlich um 13:37 am Bahnhof. Abfahrt.

Loch Lomond

Loch Lomond

Crianlarich und Tyndrum

Ich muss öfter schreiben, sonst vergesse ich zu viel. Leider ist die Netzabdeckung hier oben mehr als schlecht. Internet hat man nur in den kleinen Orten und auch da nur GPRS.

Train station Tarbet

Train station Tarbet

Train station Tarbet

Train station Tarbet

Die Zugfahrt war super, sehr schöne Aussicht auf Loch Lomond und die umliegenden Berge. In Crianlarich war tatsächlich ein kleiner Laden direkt am Bahnhof und tatsächlich hatten sie Flickzeug. Juhu.

Flickzeug

Flickzeug

Von dort aus ging die Fahrt dann wieder über den WHW rauf nach Tyndrum. Hier hat es einen kleinen Store der einem im Kontext der Bisherigen wie ein Wal-Mart vorkommt. Sie haben im Grunde alles da, nur Flickzeug hätten sie nicht gehabt 😉

Girl taking pictures

Girl taking pictures

Ich habe im By the way hostel eingecheckt wo ich mangels freier Zimmer eine kleine Hütte bekam. Alles sehr basic hier, die Camper sind aber nett. Nachdem ich geduscht, den Reifen geflickt und kurz mit den Nachbarn geplaudert hatte, ging es nochmal kurz zum The real food Cafe um die Ecke wo man traditionelles fast food, also fisch & chips bekommt.

Da habe ich dann auch zwei Bekannte von gestern wieder gesehen, Mutter & Tochter die zusammen den WHW wandern. Legen ein ordentliches Tempo vor die beiden. Sie haben sich wohl in einem B&B einquartiert. Mal sehen wo ich sie das nächste mal sehe. Ich fühle mich ein bißchen an die Geschichten vom Jakobsweg erinnert…

Während ich auf mein Essen warte komme ich mit der Kelnerin in’s Gespräch, die wie sich heraustellt ein halbes Jahr in Jena studierte. Sie kommt ursprünglich aus Krakau und ist wegen ihrem Freund nach Schottland gezogen, nachdem sie fertig studiert hatte. 120 Einwohner hat der Ort, aber nur wenn Saison ist, sonst weniger 😉

Das essen war super, ich bin platt und ziehe mich in meine Hütte zurück. Morgen geht es nach Inveroran, das sollen die schönsten Passagen des WHW sein… ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

Brücke

Brücke

Berge

Berge

Schafe

Schafe

Gute Nacht!

Mittwoch – 4. Mai 2011

“You are lucky”

…ist die Phrase die ich während der Tour bisher wohl am meisten gehört habe. Das Wetter ist wirklich super, Schottland zeigt sich von seiner schönsten Seite.

Mein Mountainbike am West Highland Way in Schottland

Mein Mountainbike am West Highland Way in Schottland

Seit heute bin ich stolzer Besitzer eines ausgiebigen Sonnenbrandes an den Beinen, ich glaube das ist für einen Schottlandurlaub auch eher ungewöhnlich.

Ich werde mal versuchen in den kommenden Beiträgen die Ereignisse von heute zeitlich korrekt wiederzugeben. Inklusive der Bilder, die alle sehen wollt 🙂

Conic hill

West highland way mit dem Mountainbike – Teil 2

Vor knapp drei Jahren, im Mai 2011 bin ich den West Highland Way in Schottland mit dem Fahrrad gefahren. Das habe ich damals in einem temporären Blog festgehalten und dieser Beitrag stellt eine Zusammenfassung dessen dar. Viel Spaß!

* Packliste *
Wenn ihr wissen wollt, was ihr für so eine Tour mitnehmen solltet, schaut euch meine Packliste für Mountainbike Touren an!

Mittwoch – 4. Mai 2011

Tyndrum nach Bridge of Orchy

Das war der Plan für den Tag, danach wollte ich den Zug nach Fort William nehmen. Es sollte etwas anders kommen…

Bridge of Orchy

Bridge of Orchy

Nach einer einigermaßen erholsamen Nacht im By the way Hostel setzte ich mich am Morgen noch kurz mit meinem Nachbarn zusammen um mit ihm ein wenig über den Weg zu sprechen. Es malten sich ziemliche Horrorszenarien ab und so machte ich den Plan erstmal nach Bridge of Orchy zu fahren und von dort dann eben direkt nach Fort William mit dem Zug.

Die Strecke rüber nach Bridge of Orchy war super. Sehr flowiger trail, alles im Bereich S1-S2 und nur selten schlecht fahrbar. Jede Menge schöne Aussichten auf die umliegenden Berge.

Bridge of Orchy

Bridge of Orchy

Es ging schnell voran, also bin ich in Bridge of Orchy nicht in den Zug gestiegen sondern habe mich entschieden einen Ort weiter zu fahren um dort ein kleinen Hostel zu finden und am nächsten Tag den Zug zu nehmen.

(Kurze Unterbrechung, ich werde hier in der Bar gerade genötigt den German für’s Spiel zu geben, es wird keine Gelegenheit ausgelassen die Deutschen zu ärgern hier… Go Schalke!)

Bridge of Orchy hotel

Bridge of Orchy hotel

Bridge of Orchy river

Bridge of Orchy river

Bridge of Orchy coke

Bridge of Orchy coke

Bridge of Orchy nach Victoria Bridge

Nachdem ich also in Bridge of Orchy aufgebrochen war sollte es nach Victoria Bridge gehen. Auf einer alten Militärstraße geht es gute 150 Höhenmeter rauf nach Mam Carraigh und wieder runter nach Inveroran wo es auch ein Hotel geben soll. Das muss ich verpasst haben, denn für mich ging die Reise noch etwas weiter…

Victoria Bridge

Victoria Bridge

Victoria Bridge

Victoria Bridge

Auf dem Weg lief mir dann noch ein Mitgtlied vom Team Cancer über den Weg (habe ich von geschrieben am Anfang, glaub ich). Der erste Kilt auf der Tour! Er bat mich seiner Schwester bescheid zu geben, dass sie auf ihn warten sollen. Das habe ich 1.5 Meilen später auch gemacht. Die drei wollten an dem Tag noch bis Kinlochleven kommen, also über den Devils’s staircase. Ich glaube ohne Bus haben sie das eher nicht geschafft… trotzdem alles Gute, Go Team Cancer! 🙂

Victoria Bridge

Victoria Bridge

Team cancer

Team cancer

Victoria Bridge nach Kingshouse

Nachdem ich also in Victoria Bridge das Hotel verpasst habe, ging es weiter nach Norden und schließlich durch das Rannoch Moor. Hier passierte nicht viel, die meisten Wanderer hatten den Bereich auf ihrer Tagesetappe wohl noch nicht erreicht, nur vereinzelt sah ich mal jemanden. Die Landschaft ist ganz ansehnlich und der Track angenehm zu fahren, alles S1.

Kingshouse

Kingshouse

Irgendwann sah ich dann ein kleines weißes Haus. “Kann nicht sein”, dachte ich. Ein Wanderer bestätigte mir aber, dass es sich dabei um das Kingshouse Hotel handelte. Sie würden zusammen mit dem Bus nach Norden fahren, im Hotel bekäme man nie ein Zimmer und den Devil’s Staircase wollten sie nicht begehen heute…

Kingshouse

Kingshouse

Devil's staircase

Devil’s staircase

Kingshouse hotel

Kingshouse hotel

Mir schwante Übles…

Devil’s staircase

Jetzt gab es also keinen Weg mehr vorbei am Höllentreppenhaus. Kette rechts, auf geht’s…

Vom Hotel aus führt der Weg nochmal ein paar km nach Norden und auf etwa 280m Höhe. Größtenteils fahrbar, aber man muss schon öfter auch absteigen.

Devil's staircase

Devil’s staircase

Irgendwann steht man dann vorm Berg. Es geht rauf auf 550m, auf einer Strecke von etwa einem knappen km. Unfahrbar, selbst zum schieben teilweise zu schlecht und der Untergrund kommt einem schon von den Vorgängern entgegen.

Kann nicht mehr genau sagen wie lange ich gebraucht habe, muss ich zu Hause im GPS log nachsehen. Ich würde sagen so um die 90 Minuten inkl. Der drei Pausen die ich eingelegt habe.

Devil's staircase

Devil’s staircase

Danach hat man eine Mega Aussicht über das Moor und das Tal in dem Kinlochleven liegt. Die Abfahrt gestaltet sich am Gipfel entlang leider ebenfalls gefährlich und anstrengend. Erst nach etwa ein bis zwei km hat man wieder einigermaßen flowigen S2 trail unter den Stollen und kann wieder Spaß haben.

Kinlochleven kommt einem nach den 5-Menschen Orten entlang des Weges wie eine Metropole vor. Es gibt einen Supermarkt, ein Postamt mit ATM und diverse Bars, Puls und Hotels. Ich checke in ein B&B ein, das glücklicherweise auch € nimmt, da meine GBP sich dem Ende zu neigen und der ATM mir nichts geben mag.

Devil's staircase

Devil’s staircase

Auch hier brennt der Wald, wie in vielen Teilen von GB. Die locals scheinen das aber im Griff zu haben, so lange keine Kids die Feuer wieder anzünden.

Später geht es noch kurz zu dinner und champions league in die Bothon bar, wo sich einige Wanderer gegenseitig ihre Blasen an den Füßen wie Kriegsverletzungen präsentieren. Ich lasse meine in den Socken und schaue mit den locals das Spiel an. Naja…

Mehr morgen, Gute Nacht 🙂

Devil's staircase

Devil’s staircase

Devil's staircase

Devil’s staircase

Kinlochleven

Kinlochleven

Wank Bahn

Wank Bahn

Donnerstag – 5. Mai 2011

Guten morgen

Es hat (noch) nicht geregnet, durch die Wolken kann ich aber dicke Wolken am Himmel erkennen. Kein Grund aufzustehen finde ich und gucke noch ein bißchen BBC news.

Werde mich also beim Frühstück mal mit den anderen Wanderern und dem Chef hier austauschen bzgl. Weiterfahrt. Die Wetterfrau sagt die Wolken ziehen von Irland Richtung Nord-Osten über Schottland hinweg. Freakin sweet…

Family guy

Family guy

Kinlochleven

Nach einem ordentlichen Frühstück entscheide ich mich den restlichen Weg… naja… zu fahren. Sachen packen, Regenjacke raus, den Rucksack in seine Hülle stecken und auf geht’s!

Kinlochleven

Kinlochleven

Wie erwartet führt der Weg einen fiesen, ausgewaschenen Pfad auf den Berg hinauf, etwa 300 Höhenmeter geht es hinauf. Das Bike geschultert, die Füße tun bei jedem Schritt weh. Von oben kann man den Ort und den See erkennen. Sieht auf einmal sehr kompakt aus alles… Es regnet beständig. Mal kann man die Tropfen einzeln in der Luft zählen, mal pfeift einem der Wind das Wasser in die Ohren. Meistens ist es aber kaum zu bemerken, nur zwischendurch kann man wirklich von Regen sprechen.

Irgendwann stehe ich vor den Ruinen einer alten Farm, die Tigh-na-sleubhaich Farm. Danach geht es weiter den Kamm entlang Richtung Norden.

Tigh-na-sleubhaich Farm

Tigh-na-sleubhaich Farm

Eyes on the road, mate!

Musste ja irgendwann so kommen, der erste crash…

Auf dem Weg komme ich irgendwann an eine Stelle wo links feuchter slickrock und rechts ein schmaler, hoch gelegener Pfad herlaufen. Vor mir ein hübsches – wie sich nachher rausstellte holländisches – Mädchen. Der Rest versteht sich von selbst…

Crash

Crash

Tat nur mäßig weh, durch die Nasse Luft hörte es aber einfach nicht zu bluten auf und da musste die nette Holländerin die Krankenschwester machen. Hat sie gut gemacht, danach ging es zügig weiter.

Vielen Dank nochmal an dieser Stelle!

Crash

Crash

Lochen Lund Da Bhra

Nachdem ich gut verarztet wurde, ging es weiter den Kamm entlang. Immer wieder hoch und runter. Meistens fahrbar, nur selten muss man absteigen. Die Strecke führt an einem Schauplatz diverser Schlachten vorbei, an einem alten Fort und an einigen Bergen vorbei.

Das Ende der Tour zum Greifen nahe.

Im Wald

Im Wald

Vorher geht es aber nochmal knappe 100m nach oben, durch einen Wald, der jedoch größtenteils abgeroded ist. Am Ende der kurzen aber steilen Strecke wartet eine Forstautobahn und gute 300m downhill.

Ich treffe mal wieder auf diverse Bekannte, u.a. ein Mädel aus dem Bunkhouse in Inversnaid. Sie geht den Weg mit ihrer Mutter und erzählt kurz von ihren Erlebnissen seit Bridge of Orchy, wo wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Sie sind von Kinlochleven aus mit dem Bus nach Fort William und wandern jetzt bis Samstag hier herum.

Im Wald

Im Wald

Nach dem kurzen Austausch geht es für mich weiter nach Norden, auf einem Sahnestückchen von Trail. Ich würde sagen 1-2 km, die aber so schnell vorbei waren das ich mich auch gut irren könnte! Die gesamte Strecke ist S1 und super flowig, die letzten paar km sind dann schöner singletrail bis man auf die Asphaltierte Straße nach Fort William hinein wechseln muss.

Und dann steht man vor dem “Hier ist alles vorbei”-Schild und freut sich über eine spitzenmäßige Zeit!

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem kleinen Küsten-Örtchen…

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

Fort William

… bis es dann schließlich heißt …

Fin

Das war’s.

Danke für’s zuschauen, ich hoffe ihr hattet Spaß!

Fin!

Fin!