Im Flugzeug

Im Flugzeug

Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich wieder auf Reisen. Ich war erst kürzlich unterwegs, aber so richtig Nach Reise fühlt es sich ja nur an wenn man einen Ozean überquert. Oder so lange Strecken mit dem Auto oder Zug, dass sie unwirklich erscheinen. Solche Strecken, die man eigentlich niemals mit dem Auto fahren würde.

Am Flughafen Triffst du die üblichen Menschen. Urlauber. Mama, Papa, Kinder. Pärchen. Nach San Francisco geht es. Wo die dicken Seelöwen im Hafen liegen. Die Katharina hat erzählt, dass die ja stinken, ihr ist das aber egal. Businesstypen. Die Jungen, denen du am Pullover ansiehst, bei welcher Beratung sie arbeiten. Die keine Zeit haben sich umzusehen und kein Interesse an den Einfachen Dingen. Und die Älteren, die auf den guten Plätzen sitzen, eine Zeitung aufschlagen und das Kreuzworträtsel lösen. Die, die den Eindruck machen, die ganze Sache verstanden zu haben.

Als ich in das Flugzeug steige schieße ich das obligatorische Rollfeld-Foto. Darauf muss ein Flugzeug zu erkennen sein. Am besten das Triebwerk oder noch besser ein wolkenverhangener Himmel, geheimnisvoll und so. Man schreibt nicht dazu wo es hin geht, viele wissen es ja noch nicht und man möchte ihnen das Gedankenkino zum Geschenk machen. Hudson Filter drüber, den nehme ich immer. Ich streiche auch immer durch alle anderen aber am Ende wird es fast immer Hudson. Instagram, Facebook, Twitter. Handy aus. Die Kommentare liest man später.

Ich steige ein, setze mich und freue mich über meinen Sitz am Gang. Nach den ersten 2-3 Flügen nimmt man den. Vorher natürlich Fensterplatz. Den nimmt man nur dann weiter, wenn man ein toller Mensch ist, man sich an diesen kleinen Dingen erfreuen kann. Der Mittelsitz ist frei, rechts am Fenster sitzt ein Mann in meinem Alter. Er ist in ein Computerspiel vertieft.

Nach dem Start vergehen nur wenige Minuten. Die Stewardess kommt sehr zügig und es überkommt mich ein Gefühl das ich letztlich lange nicht hatte. Eine Mischung aus Fern- und Heimweh. Es passiert, wenn sie Tee servieren. Den schwarzen, starken Tee, in den weißen Twining Bechern aus Pappe, mit einem kleinen Stäbchen Zucker und einem kleinen Pöttchen Milch und einem klitzekleinen Umrührstäbchen. Mit dem britischen Akzent und mit dem Lächeln mit den krummen Zähnen. Mit einem kleinen Körbchen in dem Trailmix, Crisps und double chocolate cookies liegen. Man freut sich sehr, dass da nicht Studentenfutter drauf steht oder Kartoffelchips. Schokoladenkeks. Man erinnert sich an die schönen Momente in diesem liebenswerten kleine Fleckchen Erde und dann sieht man im Augenwinkel die Flasche Wasser. Highland spring steht darauf. Schottland.

Der Mann links neben mir ist blind. Er ist dick und zwar überall. Er hat große Schuhe an, diese orthopädischen. Eine etwas zu weit geschnittene Hose, die zwar am Oberschenkel spannt aber zum Knöchel nicht enger wird. Er trägt ein Hemd, das knapp über seinem Bauch spannt und er hat Aufgequollene Finger, die aussehen wie die eines Bauarbeiters der zu lang gebadet hat. Er hat ein rundes Gesicht mit weichen Gesichtszügen und einem Doppelkinn. Er hat diesen zufriedenen Blick, den man so oft bei blinden Menschen sieht. Er sieht aus, als hätte er Frieden mit dieser Welt geschlossen.

Man weiß ja nicht, ob das nötig war, Frieden mit der Welt zu schließen. Vielleicht gab es ja nie Ärger, zwischen dem blinden Mann und der Welt.

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