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Tauchen in Bjarnagjá – Willkommen im Dreck

Bjarnagjá ist eine der faszinierendsten dive sites in Island für mich.

Die kleine Felsspalte liegt im Süden der Insel, nahe der Ortschaft Grindavik. Nur wenige Meter von Atlantik entfernt und mit diesem über diverse Tunnel verbunden, ist sie jedoch größtenteils mit glasklarem Quellwasser gefüllt. Durch die Verbindung zum Meer wird zusätzlich Salzwasser in das kleine Bassin gedrückt und es ergeben sich faszinierende Haloclines (analog zum Thermocline), das sind Schlieren im Wasser wie man sie in der Luft über heißem Asphalt kennt. Diese verleihen dem Ort einen noch geheimnisvolleren Charme.

Tauchen in Bjarnagjá

In Bjarnagjá wurden einst Dorsche gezüchtet, dies ist jedoch seit langer Zeit nicht mehr der Fall und so können Taucher hier ungestört die bizarre Aussicht genießen. Um den Tauchplatz herum stehen zwei alte Gebäude von denen nicht mehr als die Grundmauern übrig sind. Überall liegen von Ozean her angeschwemmte Baumstämme herum, am Boden liegen Patronenhülsen und Keramikscheiben, vermutlich von schießwütigen Teenagern aus der Nachbarschaft und der Wind pfeift hier eigentlich immer mit brachialer Stärke und Eiseskälte.

Tauchen in Bjarnagjá  Tauchen in Bjarnagjá

 

Dieser Tauchplatz hat etwas von einem verfluchten Ort. Schon bevor man den großen Schritt in das Gewässer macht spürt man eine gewisse Anspannung. Es fühlt sich seltsam an, hier zu tauchen. Der kleine Tümpel ist nur wenige Meter lang und breit und es gibt überhaupt keine Hinweise darauf das es sich lohnen könnte hier in’s Wasser zu steigen. Wer es trotzdem tut wird mit einem bizarren Ausblick entlang der Felswände zum Boden und in die kleinen Höhlen an beiden Enden der Spalte belohnt. Es geht ca. 20-22m hinab bis zum Boden und dann taucht man abwechselnd vom einen zum anderen Ende der Spalte während man langsam wieder aufsteigt. Zum Einen weil man eben nur die wenigen Meter zum Tauchen hat und zum Anderen weil unweigerlich kleine Schwebeteilchen aufgewirbelt werden und so die Sichtweite von üblicherweise 30-40m zusehend abnimmt bis man an einigen Stellen überhaupt nichts mehr sieht.

Tauchen in Bjarnagjá

Die Kombination aus regelmäßig gut sichtbaren Halo- und Thermoclines durch das sich ständig mischende Wasser verleiht dem Wasser eine ölige Ansicht, fast so als würde man in einem Glas Rapsöl tauchen. Manchmal sieht man die Wände und den Tauchpartner glasklar und hat das Gefühl unbeschränkt weit sehen zu können und Sekunden später endet die klare Sicht nach wenigern Metern oder man kann Objekte in 2-3m schon nicht mehr erkennen. All das macht Bjarnagjá für mich zu einer der spannendsten Sehenswürdigkeiten in Island.

Von denen gibt es in Bjarnagjá genug: Selbst nach einer Aufräumaktion im vergangenen Jahr türmt sich auf dem Boden der Schrott und Hinterlassenschaften von mehreren Jahren. Eine metallene Treppe fand ihren Weg genau so hierher wie Autoreifen, Baumstämme, Turnschuhe und eine Waschmaschine. Wer immer schon einmal wissen wollte wie es sich wohl anfühlt in einer Müllhalde zu tauchen, wird hier ein Gefühl dafür bekommen.

Tauchen in Bjarnagjá

Die Höhlen von Bjarnagjá

Wer am Ostende der Felsspalte angekommen ist sieht sich vor der Frage ob er die kleine Höhle betauchen möchte oder nicht. Dies sollte man nur tun, wenn man die entpsrechenden Fähigkeiten und das Equipment hat! Die Höhle ist geräumig und man kann entspannt mit mehreren Personen (3-4) hinein tauchen. Nach etwa 10-15m beginnt das Tageslicht zu verblassen, doch schon vorher sollte man nur mit Tauchlampe und zwei Backups hierher. Eine cave line gibt es hier nicht, man sollte also für die Betauchung eine mitnehmen und wissen wie man sie verlegt. Nach etwa 30-40m öffnet sich die Höhle und wird zu einer großen, kugelförmigen Felshöhle. Hier schwimmen ab und zu auch Fische umher die sich in den Ecken und Ritzen verstecken. Man kann zu jeder Zeit Öffnungen in der Decke sehen, sollte sich aber bewusst sein das diese meistens nur wenige cm weit sind. Auftauchen geht also nur durch den Eingang.

Tauchen in Bjarnagjá

Von hier aus geht es zurück in Richtung Westen, heraus aus der kleinen Höhle und entlang des lehmigen Bodens zur der kleinen Ausbuchtung auf der gegenüber liegenden Seite. Auf dem Weg kommt man an allerlei Gerümpel vorbei, unter anderem an einer alten Waschmaschine die auf mehreren Schichten Wellblech liegt. Direkt daneben liegen ein paar Baumstämme und ein alter Besen. Es geht noch etwas tiefer hinab und wer an den Wänden aufschaunt kann schon erkennen wie die aufsteigenden Luftblasen feinste Partikel aufwirbeln. Die Sicht wird mit jedem Flossenschlag etwas schlechter., weshalb der Tauchgang am tiefsten Punkt beginnt und man jeder Durchquerung etwa einen Meter höher fortsetzt.

Bjarnagjá – Walfriedhof?

Am Ende findet sich dann eine kleine Ausbuchtung in der Wand. Von oben fallen alte Seile in diese hinein, man sollte also sehr vorsichtig beim hineintauchen sein. Nach hinten befindet sich hier eine ganz kleine Höhle in welche man aber nicht hinein tauchen kann. Wer jedoch nach unten taucht und bis zum Boden vordringt kann einen weiteren bizarren Fund machen: Hier liegen eine Rippe und ein paar andere Knochen eines Wals. Wie diese hierher kommen? Nun, offensichtlich ist hier kein Wal gestorben sondern die Knochen wurden von Menschenhand her gebracht. In diesem Fall als Futter für die Krebse die sich hier manchmal herverirren. Diese knabbern offenbar gerne an den Knochen und früher wurden diese dann regelmäßig für’s Abendessen gefangen.

Tauchen in Bjarnagjá Tauchen in Bjarnagjá

 

Der Rückweg führt wieder in die entgegen gesetzte Richtung und wer möchte kann dies so oft wiederholen wie die Sicht einen angenehmen Tauchgang ermöglicht. Ich habe mich immer nach spätestens zwei vollen Durchquerungen entschlossen das Ostende anzusteuern um dort noch ein wenig in den verschachtelten Felsformationen zu tauchen. Hier sollte man ebenfalls vorsichtig sein, da es ein paar swim throughs gibt die aber teilweise wirklich eng sind. Hier also lieber außen herum schwimmen als das Equipment zu beschädigen oder sich gar zu verletzen.

Der Ausgang kann bei Flut am Einstiegspunkt erfolgen. Bei low tide sollte man zum Westende der Felsspalte schwimmen und über die flachen Steine in Richtung Meer aussteigen. Von da muss man nur einen 50m langen Umweg zurück zu den Häusern gehen. Mehr als ein Tauchgang macht hier keinen Sinn und entsprechend kann man sofort das Equipment ablegen und sich umziehen. Dazu macht es Sinn sich entweder in den Ruinen vor dem kräftigen Wind zu schützen oder das Auto so zu parken, dass ein Windschutz etsteht.

Insbesondere als Alternative zu Gardur, bei schlechtem Wetter, ist Bjarnagjá ein einmaliges Erlebnis in Sachen Tauchspots. Ungewöhnlich, aber definitiv sehenswert!

 

 

Die besten Divespots in Island

Während meiner dreimonatigen Ausbildung zum Divemaster in Island habe ich verschiedene Tauchplätze gesehen und hier ist eine Liste meiner absoluten Lieblings-Divespots:

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Tauchen im Nordatlantik bei Garður in Island