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Tauchen wo das Leben entstand: Der hydrothermale Schlot Strýtan

Wer taucht will Besonderes sehen. Seien es große Fische, bunte Korallen, glasklares Wasser oder verlorene Schiffswracks. Wer an Tauchen in Island denkt, dem kommen wahrscheinlich Eisberge in den Sinn und wer etwas Recherche betreibt stößt unweigerlich auf Silfra, eine Divesite die immer wieder ganz oben auf den Toplisten der weltweiten Tauchreviere auftaucht.

Wer dem Touristenpfad entkommt, kann im Norden Islands einen Ort finden der einmalig ist auf der Welt. Eine Divesite die ermöglicht, was man sonst nirgends auf diesem Planeten sehen kann. Ein Erlebnis, das einem den Atem stocken lässt, vollkommen egal wie oft der Tauchlehrer einem dies verboten hat…

Dort erheben sich hydrothermale Schlote vom Meeresboden in die Höhe, wo dann geothermal aufgeheiztes Wasser ausströmt. Der Tauchspot besteht aus zwei Kaminen, einem kleinen und einem großen. Der kleine Kamin – Arnarnesstrýtur – befindet sich etwas nördlicher und wird nach einer 4-5 minütigen Bootsfahrt erreicht. Der große Kamin – Strýtan – befindet sich etwas südlich der Tauchbasis und ist nach etwa 5-10 Minuten mit dem Boot erreicht.

Erlendur macht sich fertig zum Tauchen in Strytan

Los geht's: Tauchen in Strytan

Ein letzter Blick zum Boot in Strytan

Tauchen mit Stefania der Wolffish Dame

Arnarnesstrýtur ist unser erster Stop am heutigen Tag und führt uns etwas nördlich der Tauchbasis zu zwei kleinen Kaminen. An diesem Spot finden sich vielfältige Lebewesen der Unterwasserwelt wie Anemonen, Krabben, Quallen und natürlich auch jede Mensche Fische. Neben neugierigen Dorschen findet sich hier insbesondere Stefania, eine Steinbeißer- (Wolffish) Dame und ihre Mitbewohner. Die drei haben am Meeresboden eine WG für Hässliche gegründet, Steinbeißer haben ein Gesicht das nur eine Mutter lieben kann! Dafür sind sie alle sehr zutraulich und freuen sich jedes Mal wenn Erlendur am Seil der Boje entlang in Richtung Meeresboden sinkt. Dann hat er nämlich normalerweise eine Tasche voll Muscheln im Gepäck und Stefania und ihre Buddies essen gerne Muscheln. Heute haben wir keine dabei, alternativ gibt es also ein paar Streicheleinheiten unterm Kinn und am Bauch. Die drei verhalten sich wie Hunde und folgen uns auf Schritt und Tritt um den kleinen Hügel. Mehrmals während dem fast einstündigen Tauchgang werden Stefania & Co. überraschend auftauchen und uns anlächeln und jedes Mal ist es ein kleiner Schock 😉

Wolf Fish Stefania in Strytan

Wolf Fish Stefania in Strytan

Wolf Fish Stefania in Strytan

In Arnarnesstrýtur hat sich um die kleinen Kamine eine Vielzahl von Meeresbewohnern niedergelassen und man fühlt sich offensichtlich sehr wohl in der Nachbarschaft um die hydrothermalen Hügel. Erlendur schwimmt langsam umher und versucht mit seiner neuen Kamera Videos zu sammeln während ich mir die Gegend auf eigene Faust anschaue. Am Anfang ist das relativ langweilig, weil es nicht wirklich viel zu sehen gibt, wenn man nicht weiß wo man suchen muss. Ab und zu bemerkt Erlendur wie ich umher irre, zupft an meiner Flosse und zeigt mir einen weiteren spannenden Punkt an den Kaminen. An einigen Orten strömt heißes Wasser direkt in die Umgebung und man kann den Thermo- und Heliocline deutlich sehen. Das Wasser sieht so ölig aus wie man sich einen Tauchgang in einer überdimensionalen Wanne mit Silikonöl vorstellen würde. Hinter dem Vorhang aus eiskaltem Salz- und kochend heißem Süßwasser erkenne ich Erlendur nur schemenhaft und selbst als er seine Lampe direkt auf micht richtet – im Normalfall vergleichbar mit einem Scheinwerfer bei Nacht – sehe ich nur die Umrisse eines kleinen Lichtzirkels.

Heliocline in Strytan beim Tauchen

Heliocline in Strytan beim Tauchen

Nach etwa 45 Minuten treten wir langsam die Heimreise an. Immer entlang der Ankerschnur in Richtung Boot. Bis zum Stop bei 5m. Mir ist zwischenzeitlich ordentlich kalt geworden, der Tauchcomputer hatte sich irgendwann auf 1°C eingependelt und diese Zahl für den Rest des Tauchgangs nicht mehr losgelassen. Selbst hier an der Oberfläche zeigt das Gerät gerade mal 2 oder 3 Grad an und meine Vorfreude auf das Surface-Intervall wird immer größer. Erlendur hat einen heißen Pool am Tauchcenter und es gibt Stullen mit Käse, Schinken und eine Tafel Ritter Sport.

Während der knappen Stunde Auszeit im Divecenter zeigt Erlendur mir das kleine Museum im oberen Stockwerk. Wir müssen über provisorisch aufgereihte Matratzen klettern, da dieser Tage eine Delegation französischer Kunststudenten hier einquartiert ist. Hier gibt es alles zu sehen, was Erlendur während der letzten Jahre beim Betauchen der Kamine gelernt, gefunden und erschaffen hat. Eine imposante Sammlung von Wissen, Artefakten und Skurrilem gibt einem einen ungefähren Eindruck von der Passion mit welcher der Sohn Bogas diesen Ort erkundet und beschützt. Hier liegen alte Teller aus der weiten Umgebung und weiteres Geschirr. Alte Messer und Bootsutensilien. Es finden sich abgebrochene Ecken der Kamine sowie Fischskellete und Muscheln. Zu allem hat er etwas zu berichten und hinter jedem Artefakt steckt ein kleines Erlebnis und alle zusammen bilden das große Abenteuer des Erlendur Bogason von der Entdeckung und Erforschung Strýtan’s.

Tauchen an den heißen Kaminen von Strýtan

Das ist auch unser nächster Halt: Strýtan. Hier, am größeren der zwei Kamine soll mir das Ausmaß dieser Naturwunder erst wirklich bewusst werden. Der Kamin erhebt sich 55m hoch vom 70m unter der Oberfläche liegenden Meeresboden nach oben. Wir starten in der Mitte des kleinen Berges und schwimmen langsam nach oben während wir den Kamin Meter für Meter erkunden. Als wir starten zeigt mein Tauchcomputer eine Tiefe von 35m an und eine Temperatur von 1°C. Das ist kein Tauchgang für Weicheier und das ist auch kein Tauchgang für Draufgänger. In solchen Settings werden keine Helden geboren sondern Idioten entlarvt. Ich atme vorsichtig und prüfe meinen Tauchcomputer regelmäßig. Wenn sich ein Atemzug einmal länger hinauszögert und ich dann mit einem Mal kräftig am Atemregler ziehe, fliegen kleine Eiskristalle in meinen Mund und machen mir schlagartig klar wie dünn die Grenze zwischen einem guten Tauchgang und einem daramatischen Aufstieg hier ist. Freeflow heißt der Feind, der dich im Zweifelsfall sofort zum Auftauchen zwingt und in diesem Moment kann ich mir nichts schlimmeres vorstellen als diesen Tauchgang auch nur eine Sekunde früher beenden zu müssen als unbedingt notwendig.

Erlendur Bogason zeigt mir Strytan

Tauchen am Strytan

Tauchen am Strytan

Wir tauchen relativ zügig auf eine Tiefe von etwa 30-25m hinauf und beginnen langsam um den riesigen Felsen zu kreisen. Hier kann sich ein Taucher gerade noch gut hinter dem Stein verstecken, nur einige Meter tiefer könnte man einen Kleinbus unbemerkt abstellen. Strýtan ist riesig und groß und gemein. Er brodelt an allen Ecken und spuckt einem kochend heißes Wasser entgegen. An Heißwasserquellen wie diesen könnte der Ursprung für alles Leben auf diesem Planeten gelegen haben. Wissenschaftler der Universität Brekeley haben herausgefunden, dass die biochemischen Prozesse hier Leben ohne das Vorhandensein von Sonnenlicht, also ohne Photosynthese ermöglichen.

Wissenschaftler der Universität von Akureyri helfen dabei die Schlote von Strýtan zu erforschen und haben u.a. herausgefunden, dass das Wasser welches hier bei einer Temperatur von mehr als 72°C ausströmt weit über 1000 Jahre alt ist. Die Smektittürme entstanden vor über 10.000 Jahren während der letzten Eiszeit aus Magnesiumsilikaten und wuchsen seitdem Stück für Stück in Richtung Oberfläche. An ihren Rändern leben heute hunderte von Lebensformen, von Anemonen über Krebse und Fische bis hin zu Algen und Mikrobakterien. Dieser Ort ist ein Wenig wie das Galapagos Archipel der Unterwasserwelt, ein submariner Regenwald.

Tauchen am Strytan

Tauchen am Strytan

Als wir am oberen Ende des mächtigen Kegel ankommen stoppen wir kurz und prüfen unsere Instrumente. Die Luft reicht genau für den geplanten Tauchgang und wir sinken langsam wieder hinunter. Wir zirkeln um die Spitze und an allen Ecken strömt uns aus kleinen oder größeren Öffnungen heißes Wasser entgegen. Während der Rest meines Körpers im Trockenanzug gut geschützt und kuschelig warm ist, sind mir die Warmwasserquellen für meine unterkühlten Hände in den Neoprenhandschuhen mehr als willkommen. Mann muss dem Wasser etwas Zeit geben in die Handschuhe einzudringen und dabei sehr vorsichtig sein, aber dann ist die Wärmequelle mehr als angenehm.

Strytan melde bereits Besitzanspruch an

Erlendur Bogason auf dem Weg nach Unten: Strytan

Am mittleren Zubringer-Seil angekommen, starten wir unseren Aufstieg und stoppen zwei Mal. Immer schaue ich mich um, ob sich vielleicht Wale zu uns gesellt haben, doch heute war Stefania der große Star auf unseren Tauchgängen und eine Diva teilt ihren Ruhm nunmal nicht. Als wir auftauchen, unsere Ausrüstung an Bord des kleinen Bootes heben und das Seil an der Boje entfernen reißen die Wolken weiträumig auf und wir fahren durch den mit Sonnenlicht durchfluteten Fjord in Richtung des kleinen Hafen von Hjalteyri. Ich bin dankbar für den windlosen Tag, für die gute Sicht dort unten und die Sonne hier oben. Für die Möglichkeit diesen besonderen Ort gesehen zu haben und für die Aussicht darauf weitere solche Orte sehen zu dürfen.

Tauchen am Strytan

Erlendur Bogason ist der Entdecker der Kamine, Hauswart im Fjord… der Wächter der Türme. Durch seine kühle isländische Ausstrahlung ahnt man lange nicht, wie er empfindet. Die Begrüßung ist freundlich und zurückhaltend. Die Unterhaltung beginnt langsam und bleibt es lange Zeit. Während der gesamten Zeit vor dem ersten Tauchgang denke ich, ich habe hier einen typischen Einsiedler vor mir und hake eine lebendige Unterhaltung innerlich ab. Erst als wir nach dem ersten Tauchgang wieder im Boot sind und ich aufgeregt Frage, was das für ein Gefühl für ihn war diese Schlote zum ersten mal zu sehen und wie es war als er realisierte was er hier tatsächlich entdeckt hatte brechen alle Dämme. Er beginnt wie ein Wasserfall zu berichten und sein Englisch wird so zerbröckelt, dass ich gar nicht mehr hinhöre und nur noch das Funkeln in seinen Augen interpretiere. Dieser Mann ist ein Entdecker und er lebt für Momente wie diese.

Erlendur ganz in seinem Element: Tauchen in Island

Fakten zu Strýtan

  • Die Kegel entstanden vor gut 10.000 Jahren während der letzten großen Eiszeit
  • Der große Kegel hat eine Höhe von ca. 55m und fußt auf dem Meeresboden in einer Tiefe von etwa 70m
  • Das Wasser welches aus den Öffnungen austritt hat ca. 72°C und ist über 1100 Jahre alt
  • Strýtan ist die einzige hydrothermale Quelle dieser Art, die von Menschen ohne Maschinen betaucht werden kann, andere Quellen wurden nur in Tiefen von 2000 bis 6000m gefunden
  • Hydrothermale Schlote wie die in Strýtan könnten die Quelle allen Lebens auf dieser Erde sein, da sich an diesen Leben in Abwesenheit von Sonnenlicht entwickeln kann
  • Die Existenz der Kamine wurde schon vor vielen Jahren angenommen, eine Expedition im Fjord ergab aber keine Ergebnisse und so wurden sie von den offiziellen Karten wieder entfernt. Erlendur fand die Kamine wenige Jahre später nach einem Hinweis von einem lokalen Fischer
  • Manchmal nimmt Erlendur eine Thermoskanne mit hinunter um sie mit heißem Wasser aus den Kaminen zu befüllen und oben im Boot heiße Schokolade zu zaubern

Taucher am Kleifarvatn in Island

Tauchen im geothermalen See – Kleifarvatn in Island

Eingebettet in den Bergen des Reykjanesfólkvangur Naturschutzgebiets südlich von Reykjavik findet sich der Kleifarvatn. Dieser natürlich entstandene See ist abgelegen und weitab der Zivilisation. Die Gegend ist ruhig und verlassen. Der See ist es nicht – zumindest nicht ruhig.

Wenn man die buckelige Asphaltstraße verlässt und auf der Schotterpiste die erste Kurve hinter sich lässt, liegt der See vor einem. Groß, grau, starr. Wie ein Farbfleck im Gipfel des Berges. Man erkennt keine Regung, nichts deutet darauf hin, dass sich hier etwas bewegen könnte. Doch unter der grauen Wasseroberfläche ist der Ort lebendig, aufgeregt.

Manchmal kommt es vor, dass der Wasserspiegel vom einen auf den anderen Tag um vier oder fünf Meter abnimmt, die Wasserfläche sich um mehr als 20% verringert. Wohin das Wasser verschwindet weiß niemand genau, der See ist mehrere tausend Quadratmeter groß und an einigen Stellen knapp 100m tief. Er liegt in vulkanischem Gebiet – Krýsuvík – in einer Bruchzone. Hier zerreißt es die Welt, die tektonischen Platten driften auseinander und setzen frei was sonst unter der Oberfläche verborgen ist.

Taucher am Kleifarvatn in Island

Taucher am Kleifarvatn in Island

Über dem See liegt ein grauer Schleier, es dampft ein wenig. Das könnte auch am Temperaturunterschied liegen, das Wetter ist seltsam heute. Als es anfängt zu regnen verschwindet der Schleier nicht. Die Dampfwolken schweben neben dem See, am Strand neben den Hügeln.

Wir fahren am Ufer entlang und halten im pechschwarzen Sand als große Findlinge uns den Weg versperren. Hier wird kurz und knapp der Tauchgang besprochen: Rein, tauchen, raus. Wir wissen ja wie das geht. Wir sollen einer roten Leine folgen, wenn wir sie finden, bis wir an die Heißwasserquellen kommen.

Es regnet. Das ist beim Start in einen Tauchgang nicht so tragisch. Wir ziehen uns zügig im Auto um, schna llen die schweren Zylinder an die Tauchwesten und werfen sie über die Schultern. Flossen und Masken werden erst im Wasser angezogen, bis dahin sind es ein paar Minuten zu Fuß am Strand entlang in den anfangs flachen See. Als es tief genug wird, schnallen wir die Flossen um setzen die Masken auf und tauchen ab.

Taucher am Kleifarvatn in Island

Taucher am Kleifarvatn in Island

Stille. So ist das immer zu beginn eines Tauchganges. Es ist nicht besonders tief, manchmal spürt man die kühle Luft am Rücken, zumindest denkt man das. Wir schwimmen langsam zur Mitte des Sees und ebenso langsam entfernt sich der Boden von uns. Die rote Leine haben wir gefunden und folgen ihr.

Plötzlich fällt der Boden in einem Steilhang ab. Hier ist es auf einmal mehr als 10m tief und man kann den Boden kurz nicht mehr erkennen. Wir tauchen ab, Druck auf den Ohren, durchatmen, tiefer. Man hat das Gefühl den Schwefel riechen zu können, wie draußen, wo die heißen Quellen den Gestank fauler Eier in die Luft entlassen.

Einzelne Blasen steigen an einer kleinen Öffnung aus dem Boden. Ich bewege mich langsam dorthin, wo ich einen Krebs oder einen Fisch vermute. Die Luft kommt aber direkt aus einem Stein. Hier lebt nichts, hier atmet nur die Erde.

Wir tauchen etwas tiefer ab und schauen uns die Umgebung an. Vereinzelt finden sich tote Fische. Vollkommen intakt, nicht angefressen und auch nicht in Müll verheddert. Einfach nur leblos. Ein paar kleinere Exemplare schwimmen um einen herum, hektisch und nicht in Kreisen, sondern geradeaus, weg.

Wir erreichen eine kleine Anhöhe. Luft zischt in den Taucheranzug und wir steigen langsam auf. Hinter dem Hügel tanzt der Sand, steigen Milliarden kleiner Luftblasen aus dem Boden auf. Ein Whirlpool in der Größenordnung eines Einfamilienhauses, ein Sektglas so groß wie eine Lagerhalle. Die ersten Blasen fangen wir mit den großen Handschuhen auf, sammeln sie in der Handfläche und lassen sie als große Blasen wieder frei. Überall haben sich kleine Maulwurfshügel gebildet aus denen die Luftblasen hervorsteigen. Der Sand purzelt mit jeder neuen Blubberblase ein bisschen hinab.

Taucher am Kleifarvatn in Island

Taucher am Kleifarvatn in Island

Ab hier ist der Tauchgang ein einziges hin und herschauen. Der Versuch sich zu orientieren, das Spiel mit den Blubberblasen und der Kamera. Hier sind keine Fische mehr, zumindest keine die schwimmen. Hier sind keine Krebse, keine Pflanzen. Hier ist kein Leben, aber lebendig ist es. Der See atmet hier, die Erde brodelt unter uns.

Nach einer kurzen, aufgeregten Zeit verschwinden die Luftblasen langsam, als wir weiter tauchen zu den Grabenbrüchen. Hier tun sich große Löcher im Boden auf, an deren Felswänden entlang man zu den tiefsten Stellen des Sees tauchen könnte. Ich stelle mir vor, wie sich am Ende dieser Höhlen ein Höllenschlund auftut, denn dort müssen unmittelbar die vulkanischen Aktivitäten vor sich gehen, welche zu dem Naturschauspiel nebenan führen.

Irgendwann finden wir wieder zur roten Leine, schwimmen langsam an ihr entlang und steigen irgendwann aus dem kühlen Nass. Am Ufer befindet sich schon eine weitere Tauchgruppe, heute ist hier viel los. Es regnet ziemlich stark und so ziehen wir uns zügig unter der Heckklappe des Lieferwagens um.

Nach dem Tauchgang im Vulkansee schauen wir uns noch eines der bekanntesten Hochtemperaturgebiete in Island bei Krýsuvík an. Auf diesem aktiven Vulkan finden sich heiße Quellen, Schlammtöpfe und Fumarolen. Hier brodelt es überall, es dampft und blubbert.

Von hier aus fährt Reynar von der isländischen Tauchschule uns direkt zur blauen Lagune, wo wir den Tag auch weiterhin im Wasser ausklingen lassen. Nur ohne Taucherausrüstung.

In Kooperation mit Dive.IS.

Taucher in Silfra, Island

Tauchen zwischen den tektonischen Platten in Silfra, Island

Im Rahmen meiner mehrtätigen Tauch Tour in Island führten mich glücklicherweise gleich zwei Tauchgänge nach Þingvellir. Dieser geschichtsträchtige Ort ist umgeben von vier aktiven Vulkanen, namentlich Hrómundartindur, Hengill, Prestahnjúkur und Hrafnabjörg. Das Tal gehört zum Golden Circle Islands und ist seit 2004 Teil des Unesco Weltkulturerbe. Hier findet sich die Tagungsstätte eines der ältesten Parlamente der Welt, wo sich schon im Jahre 930 jährlich Wikinger trafen um Gesetze zu besprechen und durchzusetzen.

Die Schlucht selbst liegt mitten auf der Bruchzone zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Lithosphärenplatte (tektonische Platten).

Hier zerreißt es – buchstäblich – die Erde.

Silfra

Silfra

Genau hier, sollte ich den bisher wohl spektakulärsten Tauchgang meiner jungen Taucherkarriere erleben. Dazu gekommen war es, als ich kurz nach Beendigung meines Tauchscheins im Internet nach den besten Tauchspots der Welt gesucht und zufällig über Silfra gestolpert war. Acht Wochen später sollte ich in’s Kalte Wasser springen.

Silfra

Silfra

Die Silfraspalte zieht sich durch den gesamten Nationalpark und endet im Þingvallavatn See. Zu großen Teilen ist sie mit Erde gefüllt, ab einer Stelle tritt jedoch Wasser zu Tage, welches eine Jahrzehntelange Wanderung vom über 50km entfernten Gletscher hinter sich hat. In dieser Zeit wurde das Wasser durch gigantische Mengen an Lavagestein gepresst und von jeglichen Schwebstoffen und Verunreinigungen befreit. Auch wenn das Wasser so lange unterwegs und so weit vom eisigen Gletscher entfernt ist, bleibt es bei der gleichen Temperatur wie zu Beginn der Reise, etwa 2°C.

Silfra

Silfra

Wenn man in tropischen Gewässern von guter Sicht berichtet, sind damit meist 20, vielleicht 30m gemeint. Das kommt einem bereits so vor, als könne man so weit schauen wie es die Augen eben zulassen. In Silfra beträgt die visibility mehr als 130m. Das Wasser ist so glasklar, dass in dem Moment in welchem man tief genug ist um herauf zu schauen, nicht mehr klar ist wo die Wasseroberfläche genau beginnt: Der unter ihr liegende Raum spiegelt sich perfekt und nahtlos wieder, sodass man die Illusion eines unendlichen Raums vor sich hat. Dieser Ort hat etwas von Unendlichkeit, die so atemberaubend ist, dass man sich als Taucher irgendwann wundert wo denn die Luftblasen hin sind. Bis man wieder atmet.

Silfra

Silfra

Aber auf Anfang: Wir fahren über den Rücken der nordamerikanischen Platte in das Tal der Volksversammlung und halten kurz bei einer Touristeninfo um uns im Trockenen schonmal die Unterkleidung anziehen zu können. Von hier geht es weiter zur Silfra Eintrittstelle, die von den einheimischen auch „toilet“ genannt wird – ich verkneife mir zu fragen wieso. Die Taucheranzüge sind schnell angelegt und kurz darauf machen wir uns auf den Weg zum Einstieg, ein paar hundert Meter vom Parkplatz entfernt. Hier führt eine Stahltreppe in das von oben unscheinbare Gewässer. Wir ziehen die Handschuhe an, spucken in die Masken und starten die Kameras.

Silfra

Silfra

Beim Einstieg zischt die Luft aus den Taucheranzügen und nacheinander werden Füße, Beine, Bauch und Brust kalt. Nur die Luft in der Weste hält einen jetzt noch oben. Gespannt warte ich auf die anderen und riskiere keinen Blick nach unten, ich möchte mir Das für den Moment bewahren in dem wir tatsächlich abtauchen. Während Einer nach dem Anderen das Wasser betritt, betrachte ich ehrfürchtig die neben mir aufragenden Felswände. Hier wird einem bewusst, dass an ihnen die Grundlagen der Erde hängen, Plattformen auf denen unsere Welt fußt. Hier kommen sie zusammen bzw. entfernen sich voneinander.

Silfra

Silfra

Als wir alle zusammen sind, heben wir unsere Luftschläuche und mit jedem kräftigen Zischen sinken wir alle langsam tiefer, bis die Farbtemperatur genauso abkühlt wie unsere Lippen und Wangen. Der Ausblick ist kalt, blau und atemberaubend. Selbst hier, im kleinen Eintrittsbecken wird einem schnell bewusst wie besonders dieser Tauchgang werden wird. Auch wenn man noch keine Ahnung hat, was einen noch erwartet.

Der Tauchgang startet in einem größeren Becken von etwa 15m Tiefe. Von hier aus geht es einige Meter entlang des Rift in Richtung Süden. Über eine weniger tiefe – max. 1m – Stelle führt der Wege einen nun in die Halle von Silfra. Hier befinden sich auch die Eingänge zum Höhlensystem von Silfra das bis zu 45m tief ist. Große Felsblöcke versperren regelmäßig den Weg und drohen bei jedem Erdbeben einzustürzen. Auch deswegen ist es hier heute untersagt in die Höhlen hinab sowie generell tiefer als 18m zu tauchen.

Silfra

Silfra

Nach 150-200m gelangt man in das Herzstück dieses außergewöhnlichen dive spot, die Silfra Kathedrale. Hier entfaltet sich die Schönheit dieses Ortes auf einer Länge von über 100m und in eine Tiefe von mehr als 20m. Schon beim ersten Blick in die Kathedrale – bei der man die Sandbank am Ende bereits klar erkennen kann – bleibt vielen Tauchern tatsächlich kurz der Atem weg. Wer Bilder von Silfra im Internet, in Tauchmagazinen oder im Fernsehen findet kann ziemlich sicher sein, dass sie hier entstanden.

Silfra

Silfra

Am Ende der Kathedrale führt der Weg einen an einen Unterwasserstrand welcher nach rechts direkt in den See und nach links direkt in die Silfra Lagune leitet. Auch wenn die Versuchung groß ist der Strömung nach rechts zu folgen, entscheide ich mich jedes Mal der Tauchgruppe in die Lagune zu folgen. Auch hier kann man vom Anfang bis zur Ausstiegstreppe sehen. Die Entfernung beträgt über 120m.

Silfra

Silfra

Insgesamt durfte ich dieses Erlebnis vier mal erleben, zwei mal bei meinen Übungen zum Tauchen im Trockenanzug und zwei mal mit der Tauchgruppe. Ich hätte alle anderen Tauchgänge vermutlich ohne nachzudenken abgesagt um wieder in die blaue Unendlichkeit abtauchen zu dürfen.

Auf meinem Island Blog findet ihr noch ein paar generelle Infos zum Tauchen in Island und Erfahrungsberichte von anderen divespots.

Silfra Fakten

  • Die Silfra Spalte ist der eigentliche Grund warum Inseln wie Island und die Azoren existieren, denn sie liegen genau darauf
  • Im Grunde ist die Silfra Spalte über 65.000km lang, sie tritt nur auf ein paar davon zu Tage
  • Sie spaltet nicht nur den nordamerikanischen und europäischen Kontinent sondern auch den südamerikanischen und afrikanischen.
  • Die Silfra Spalte erweitert sich jedes Jahr um etwa 1-2cm

In Kooperation mit Dive.IS.

Gardur

Tauchen im Nordatlantik bei Garður in Island

Während meiner Entdeckungsreise zum Tauchen in Island führten uns unsere Guides auch in den „warmen“ Atlantik…

Leserhinweis: Bitte hier nicht ohne Guide tauchen! Die Ecke ist wirklich nicht ohne und Oli (Danke für den Hinweis) musste hier offenbar schon mehrmals Tauchern aus der Patsche helfen. Ich kann das bestätigen, bei all meinen Tauchgängen hier war es ziemlich anstrengend und man verliert sehr schnell die Orientierung!

Bei Garður – was übersetzt Garten heißt – finden sich dutzende von Pflanzenarten in den weitläufigen Tangwäldern unter Wasser. Diese sind wiederum Lebensraum für viele verschiedene Lebewesen wie Schnecken, Seesterne Krabben und Krebse.

Gardur

Gardur

Hier finden sich neben wohlbekannten Fischen wie Flunder und Seelachs auch exotischere Vertreter ihrer Art. So tummeln sich in den Spalten der Hafenmauern einige Wolfsfische, die man nur in den nördlichen Regionen des Atlantik rund um Island, Grönland und im Norden Kanadas findet. Auch Skorpionfische verstecken sich am Boden der Unterwasserwälder und lauern dort ihrer Beute auf. Auch wenn das Gift in ihren Stacheln schmerzhaft ist, kann es dem Menschen nicht gefährlich werden. Die Guides der Tauchschule in Island führen einen regelmäßig zu Tommi, dem Seeteufel der in einer Höhle in der Piermauer lebt.

Gardur

Gardur

Außerdem leben hier auch viele bekannte Ozeanbewohner wie der Seestern, verschiedene Krabben und selten auch Quallen. Die Fauna ist unaufgeregt und zeigt sich in eher gedeckten Farben, wodurch es umso spannender ist sie zu erkennen.

Wir kommen an einem schönen und relativ sonnigen Tag nach Garður und schauen uns zuerst den Wasserstand an. Die Flut ist da und wir können nach dem anlegen der Taucherausrüstung direkt mit einem Riesenschritt in’s Hafenbecken abtauchen. Das Wasser ist im Vergleich zu den inländischen Seen sehr warm, wir tauchen bei etwa 10°C ab und orientieren uns in zwei Gruppen kurz an den Mauern entlang und biegen dann in den Tangwald ab.

Gardur

Gardur

Es dauert ein wenig bis wir die ersten Lebewesen erkennen, da diese sich sehr geschickt tarnen. Als erstes erkenne ich eine Flunder, als sie von einem anderen Taucher aufgeschreckt wird und an mir vorbei flüchtet. Etwas später huscht ein kleiner Seeteufel an mir vorüber und verschwindet blitzschnell wieder im Dickicht.

Die Strömung ist heute ein wenig stärker, weshalb wir uns beim zweiten Tauchgang für eine andere Route entscheiden. An der Behausung von Tommi dem Seeteufel kommen wieso heute nicht vorbei. Unsere Tauchgruppe hat auch leider kein Glück, einen anderen Fisch dieser Gattung zu erblicken. Die zweite Gruppe berichtet später von einem kurzen Intermezzo mit einem Kollegen von Tommi.

Gardur

Gardur

Was am Tauchen im Nordatlantik besonders ist kann ich nur aus meiner eher begrenzten Erfahrung als Anfänger beschreiben und mich auf das beziehen was meine sehr erfahrenen Buddies Claudia und Rüdiger berichten: Hier ist das Tauchen nicht so aufgeregt wie in südlicheren Ozeanen wie dem Südpazifik, Mittelmeer oder in der Karibik. Statt bunter Fische, Korallen und Schildkröten findet man hier gut getarnte Miesepeter wie die Flunder und den Wolfsfisch. Die Sichtweite ist generell nicht sehr hoch und es sind mehr Schwebstoffe im Wasser. Dass alles macht das Tauchen hier technisch wohl etwas anspruchsvoller, insbesondere gepaart mit der Notwendigkeit eines Trockenanzugs, denn die Wassertemperatur beträgt regelmäßig weniger als 10°C. Für mich als Anfänger waren die Tauchgänge im Meer bei Island eine besonders spannende Herausforderung, denn es gab viel Neues zu lernen und zu entdecken. Meine dive buddies hatten fast alle mehr als 100 Tauchgänge in ihren logs und sagten Ähnliches, es scheint also nicht nur für Anfänger eine Herausforderung zu sein. Ich habe während den Tauchgängen auf jeden Fall viel dazu gelernt, insbesondere meine buoyancy bzw. Tarierung hat sich wesentlich verbessert.

Gardur

Gardur

In Kooperation mit Dive.IS.