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Roadtrip in Island: Zum Ende ein paar Stunden in Reykjavík

Am letzten Tag meiner Rundreise durch Island fahre ich vom namenlosen Hotel im Westen der Insel nach Süden. Am ende des Tages wird mein Flug mich vom Flughafen in Keflavik zurück nach Berlin bringen.

Vorher werde ich jedoch Sesselja treffen, die in Reykjavík lebt und weltweit Startups für ihre Dokumentation The Startup Kids interviewed hat. Jeder der Interesse an Entrepreneurship hat, sollte sich die Doku mal ansehen. (Trailer bei Youtube)

Der Tag beginnt jedoch erstmal mit einer hervorragenden Aussicht nach Norden.

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Als ich in Reykjavík ankomme, zieht der Himmel etwas zu und die Sonne versteckt sich. Ich fahre zum Hafen und schaue mich ein wenig um. Außer ein paar kleinen Schiffen gibt es allerdings nicht viel zu sehen. Die großen Walbeobachtungsschiffe scheinen draußen zu sein und neben mir ragt ansonsten nur ein betagter Tanker hevor.

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Reykjavík ist mit etwas über 100.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt Islands. Hier haben sich einige große Unternehmen angesiedelt. In der Mehrheit verdient man aber sein Geld hier – genau wie im Rest von Island – entweder im Fischfang oder im Tourismus.

Die Stadt wurde genau wie das ganze Land stark von der Finanzkrise gebeutelt. Die Umstände führten dann dazu, dass Jon Gnarr Bürgermeister wurde. Wer sich für die lustige und spannende Geschichte dazu interessiert, dem möchte ich sein Buch an’s Herz legen.

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Im Stadtkern von Reykjavík gibt es viele schöne und bunt bemalte Häuser, es gibt ein paar sweet spots für Streetart und generell einiges zu entdecken.

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Die Isländer sind wohl wie die Skandinavier auch, als Kinder alle in einen großen Topf voll Design gefallen, was sich in der Fußgängerzone in jedem Geschäft zeigt. Mode- und Einrichtungsgeschäfte zeigen her was die Isländer zu bieten haben.

…auch skurrile Fashion-Ideen.

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Der Ausbruch des Eyjafjallajökull wird von den Isländern mit einem Lächeln als Marketinggag genutzt. Der Vulkan brachte das Lande auf die Tourismuslandkarte der Amerikaner und Europäer zurück, in einer Zeit in der es dies bitter nötig hatte. Tourismus ist nach wie vor die zweitgrößte Branche im Land. Mehr als eine Millionen Menschen besuchen das Land jedes Jahr und bringen Geld in das lokale Wirtschaftssystem.

Eyjafjallajökull

Ich besuche auch die Hallgrímskirkja, eines der bekanntesten Bauwerke der Insel. Die knapp 80m hohe Kirche wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts gebaut und man kann mit einem Fahrstuhl in die Spitze fahren. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick über die Dächer der Stadt bis zum Meer oder den Bergen im Osten.

Hallgrímskirkja

Sesselja und ihren Freund treffe ich im Icelandair Hotel Reykjavik Marina. Eine Übernachtung wäre in meinem Budget damals nicht drin gewesen, heute würde ich mir den Luxus vermutlich gönnen. Das Hotel ist fantastisch ausgestattet und das Restaurant bietet ein tolles Ambiente zum brunchen.

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Alles im Hotel ist schön und liebevoll gestaltet. Auch hier zeigen die Isländer was sie von Design verstehen und das ist wirklich eine ganze Menge!

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Zum Ende meiner Reise, geht es also noch einmal zur Tankstelle um meinem treuen Begleiter den Bauch vollzuschlagen und dann mit dem Airport shuttle zum Gate.

Tschüss Island, bis bald! 😉

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Myvatn

Roadtrip in Island: Mývatn Nature Baths, Goðafoss und ein namenloses Hotel

Auch wenn ich zum Zeitpunkt während ich diesen Artikel schreibe in Kapstadt am Sea Point den Autos und Wellen lausche, erinnere ich mich ziemlich gut an diesen Tag meines road trips.

Ich wachte früh am Morgen in meinem Hotel in Husavik auf, nachdem ich am Tag zuvor eine meiner schönsten Lebenserfahrungen überhaupt machen durfte. Beim Whale Watching in Husavik hatte ich nicht nur die Akkus meiner Kamera zum absoluten Nullpunkt gebracht. Nach einer ruhigen Nacht, frisch aufgeladen, sollte es nun weiter in Richtung Westen gehen.

Nach ein paar hundert Kilometern sammelte ich eine Anhalterin auf. Ich weiß gar nicht mehr so genau wo sie hin wollte, nur noch dass sie schon eine ganze Zeit an der Raststätte gestanden hatte und das ich einen kleinen Umweg fuhr, um sie direkt an der Haustür absetzen zu können.

Nachdem ich ihr von meiner falschen Annahme berichtete, am ersten Tag wohl an der blauen Lagune vorbeigefahren zu sein, meinte sie ich solle doch einfach noch einmal kurz von der Ringstraße abweichen um die Myvatn Nature Baths anzusteuern. Auch wenn ich die Ringstraße eigentlich nicht so schnell schon wieder verlassen wollte, hörte sich das nach einem wirklich guten Tipp an und ich sollte nicht enttäuscht werden.

(Man verlässt die Ringstraße übrigens nur ein paar hundert Meter, für mich war es nur deshalb ein größerer Umweg weil ich noch einmal nach Osten musste!)

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Die relativ kleine Badeanstalt im Norden Islands bietet zwar nicht so viel Luxus wie die berühmte Blue Lagoon Iceland aber sie ist eine fantastische Alternative. Im Gegensatz zur blauen Lagune fließt in die Mývatn Nature Baths kein Meerwasser ein, sodass der Schwefelgeruch wesentlich intensiver ist. Auch das seifige Gefühl auf der Haut ist viel ausgeprägter. Das umliegende Gebiet wirkt ein wenig wie ein Industriegebiet, es gibt einige Fabriken und überall steigen Dampfwolken wie aus Schornsteinen aus.

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Nach einem guten, langen Bad im warmen Quellwasser geht es weiter nach Westen, in Richtung Akureyri. Hier machte ich heute nicht Halt, denn meine Zeit in Island neigte sich rasant ihrem Ende zu. Schon am nächsten Tag sollte es mit dem Flieger wieder nach Deutschland gehen.

Ich hätte mir wohl zumindest ein paar Minuten Zeit nehmen sollen um durch die Stadt zu cruisen, immerhin ist sie mit fast 20.000 Einwohnern eine der größten in Island und soll sehr schön sein. Wenn ihr Tipps rund um Akureyri habt, schreibt doch gerne einen Kommentar!

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Ich entschied mich stattdessen zu einem Abstecher zum Goðafoss, etwa 50km vor Akureyri.

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Der Goðafoss stürzt über 10m in die Tiefe, über eine Breite von gut 30m. Steht man direkt am Wasserfall, ergibt das eine beeindruckende Soundkulisse.

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Seinen Namen bekommt der Wasserfall von einer Geschichte aus dem elften Jahrhundert. Hier soll ein Priester die letzten heidnischen Götterbilder in den Fluss geworfen haben, nachdem in Island das Christentum zur Staatsreligion ernannt wurde.

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Das Wasser ist klar und im Sommer kann man vermutlich etwas weiter flussabwärts die Beine in’s kühle Nass halten. Ich kann mir vorstellen, dass dies nach einer mehrstündigen Fahrradtour entlang der Ringstraße eine tolle Idee ist.

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Als ich hier ankomme ist es ruhig, es sind nur ein paar andere Menschen mit mir dort und hauptsächlich hört man das Wasser plätschern.

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Die Stille ist angenehm und ich genieße die fantastische Aussicht…

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…und hinterlasse ein paar Spuren.

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Kurz bevor ich mich auf den Weiterweg machen möchte, erscheinen sie dann aber doch noch. Scharen von Touristen, angekarrt im Rundtour-Bus und mit Gehhilfen und Fotoapparaten aus dem letzten Jahrhundert bewaffnet.

Schnell suche ich das Weite und lass mich entlang der Ringstraße weiter in Richtung Westen treiben.

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Bei Steinsstaðalaug halte ich kurz um mir die vielen kleinen Arme des Flusses anzusehen, der sich hier wie ein Spinnennetz vom Inland in Richtung Ozean ziehen.

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Ich sitze ein paar Minuten am Ufer und denke über meine Zeit hier nach. Es sollte zwar noch ein weiterer Tag auf meiner Reise auf mich zukommen, diesen würde ich aber in der Hauptstadt Reykjavik verbringen und aus meinen Reisen entlang des West Highland Way in Schottland wusste ich noch sehr genau, dass der Zauber eines wilden Landes etwas abnimmt sobald man wieder in der Zivilisation landet.

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Ich werde hierher zurückkehren, so viel steht fest. Ich möchte gerne noch einmal im Winter herkommen, auch das ist klar. Aber wann und wie das passieren würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen…

…heute weiß ich: Es würde viele tausend Flugmeilen später sein. Sehr zufällig, sehr spannend, sehr abenteuerlich und sehr… SEHR schön!

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An meinem letzten Abend checke ich für gewöhnlich gerne in ein Hotel ein, ohne auf den Preis zu schauen (wenn das Budget es noch hergibt). Dann esse ich gut und lasse es mir gut gehen.

Auf den letzten Kilometern meiner Islandreise gab es nur ein einziges Hotel. Es hatte alles was ich brauchte: Ein schönes, großes und kuscheliges Bett. Eine Aussicht, bei der man sich beim zu Bett gehen schon auf’s Aufstehen freut und ein Schwimmbad.

…naja. In diesem Fall eine kleine heiße Quelle direkt neben dem Haus. Mit vollem Bauch und rot wie ein Hummer vom zu heißen Wasser lege ich mich an diesem Abend in’s Bett und bin sehr dankbar, dass ich so eine schöne Zeit hier haben durfte.

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Neskaupstaður in Island – Der zweite schönste Ort auf der ganzen weiten Welt

Das Erste Mal, dass ich einen schönsten Ort auf der ganzen weiten Welt sah, war Port an Eorna in Schottland.

Aber es sollte nicht der letzte bleiben…

Neskaupstaður, Island

Als ich am dritten Tag meiner Island Rundreise aufbreche, folge ich der Ringstraße für einige Kilometer und entscheide mich an einer Kreuzung spontan sie zu verlassen. Wir hatten uns gut aneinander gewöhnt und ich mochte sie auch gerne, aber wir mussten einmal kurze Zeit getrennte Wege gehen.

Es zog mich in die Ostfjorde und bei Breiðdalur verlasse ich die Nummer eins um der Nummer 96 zu folgen. Nach Osten. Zum Meer.

Ich fahre am ruhigen, hell-türkisen Meer entlang um den Berg herum und schaue den Fischern beim ausbringen der Netze zu, zumindest denke ich dass es das ist, was sie da unten mit den großen Ringen im Wasser tun.

Der Boden ist hier wieder grün, also zumindest versucht er es. Im Grunde ist der hellbraun oder Beige und ab und an kommt ein bisschen Grün heraus. Gelegentlich gelbe Blüten. Ein Farbfeuerwerk, wenn man an die Aschestrände im Süden denkt.

Der Ort liegt vor mir, wie ein flauschiger Hund der sich im Sonnenlicht in’s grüne Gras geschwubbelt hat und herumdöst. Müde und glücklich. Neskaupstaður, liegt da, eingekuschelt in die massiven Bergrücken der Insel. Einsam und klitzeklein und hübsch.

Bei meiner nachträglichen Recherche, muss ich laut lachen, als ich im Reiseführer über die „Stadt“ lese. Über ihre „Wirtschaft“, ihren „Verkehr“ und über den „Tourismus“. Man möchte dem Buch entgegen rufen:“Das ist doch nur ein kleines Örtchen!“

Der Ort ist so klitzeklein, man würde ihn aus einem Heißluftbalon kaum wahrnehmen. Es gibt ein Krankenhaus und zwei Tankstellen und Supermärkte und zwei Banken und das alles gibt auf dem Papier den Eindruck, man spreche von einer kleinen Stadt.

Aber Neskaupstaður hat nichts mit einer Stadt zu tun. Neskaupstaður ist einfach nur ein kleines, ruhiges Örtchen. Mein zweites, Schönstes in auf der ganzen weiten Welt!

 

 

 

 

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Dank Google, könnt ihr sowohl die Fahrt durch diesen Ort als auch Bilder von anderen Menschen sehen, die dort waren. Viel Spaß:

Neskaupstaður auf Google maps

Neskaupstaður im Google Streetview timelapse

 

Was war euer erster schönster Ort auf der ganzen weiten Welt?


…meine Lieblings-schönste-Orte-Geschichten woanders:

Bedouinwriter im Elefantenland

Jutta sieht drei Farben Blau

Patrick spürte das Wilde an der Wild Coast

Julchen und das wilde Meer

Roadtrip in Island: Vorbei an Fjarðabyggð, weg von der Ringstraße und auf zum Meer

Nach einer ruhigen Nacht in Höfn, einem kleinen Ort in der Gemeinde Hornafjörður, führt meine Reise durch Island mich nun nach Norden.

Hier gibt es kaum Sehenswürdigkeiten über die es sich zu schreiben lohnte und deshalb stehen in diesem Beitrag die Bilder im Vordergrund. Den Text müsst ihr gar nicht lesen, aber ihr dürft, wenn ihr mögt.

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Ich fahre weiter die Ringstraße entlang und ehrlich gesagt, wird es mir irgendwann etwas langweilig. Ich sehe mich schnell satt. Besonders an Landschaften. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein ähnliches Landschaftsbild von meinen Besuchen in Schottland schon kenne.

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Die Berge ziehen links, der Ozean rechts an mir vorbei und ich frage mich wie die kommenden Tage wohl aussehen würden. Die ersten beiden waren so vollgepackt mit neuen Eindrücken und tollen Erlebnissen. Mit schönen Plätzen über die ich hier schreiben kann.

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Wolken türmen sich übern einigen flachen Bergen, es sieht ein bisschen aus wie die Bilder von Tafelberg. Rechts davon, über dem Wasser, ist der himmel glasklar und Babyblau.

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Das Wetter hier in Island ist so facettenreich wie das Landschaftsbild. Mal hat es nahezu 20°C, man könnte in Shorts am Strand liegen und die Füße in’s Wasser stecken. Eine Ecke weiter hat es gerade noch über Null Grad und es schwimmen einem Eisberge entgegen.

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Es ist meistens sehr windig, besonders an der Küste. Nicht stürmisch aber man merkt wie es das Auto beim fahren zur Seite drückt. Auf Island habe ich generell dauernd das Gefühl in einer großen, sanften Hand zu sein die mich immer mal wieder dahin drückt wo ich jetzt wohl sein soll.

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An einer Stelle, schmiegt sich der Ozean näher an das Land heran. Offenbar mag er nicht so allein da draußen sein. Oder das Land mag es nicht. Man weiß ja immer nicht so genau, warum zwei sich begegnen. Zumindest nicht, warum es sie zueinander zieht.

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Ich halte nach der ersten Abbiegung kurz an. Hier sieht es aus, wie auf den Bildern von Australien, denen von der great ocean road. Das türkise Wasser schält sich direkt in die hellbraunen Berge und beide trödeln verspielt meilenweit aneinander her.

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Immer mal wieder halte ich kurz an, knipse Bilder, atme tief durch und fahre weiter.

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Ich weiß nicht genau warum, aber langweilig ist mir nicht. Ich bin vollkommen entspannt und genieße einfach nur, was dieses Land mir anbietet.

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Am Nachmittag entscheid ich mich dann, die Ringstraße zu verlassen, als diese einen Schlenker nach Osten machen möchte. Ich will am Meer bleiben.

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Also biege ich rechts ab und fahre weiter in Richtung der Ostfjorde. Ohne direktes Ziel.

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Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl in einer ruhigere Gegend Islands zu kommen. Auch vorher habe ich nur 1-2 mal am Tag andere Menschen gesehen, aber hier wirkt das Land geradezu schläfrig auf mich.

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Wo soll das bloß enden…

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Vielleicht an einem… schönsten Ort auf der ganzen weiten Welt… 😉

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